Archive für Beiträge mit Schlagwort: Ökosysteme

Social Reading-Elemente verstärken die Bindung einer bestimmten Gruppe von Konsumenten an das digitale Ökosystem

E-Book-Plattformen bieten ihren Nutzern häufig Foren und andere Social Reading-Elemente an, die den Austausch zwischen Lesern über Bücher erlauben. Aber auch andere Websites, Blogs oder Dienste (wie etwa books140 auf Twitter) bieten verschiedene Formen des „Social Reading“. Der Austausch über Gelesenes im Netz erfreut sich bei den Nutzern offenbar großer Beliebtheit. Immerhin sind es hier echte Menschen, die ein Buch empfehlen, und nicht Algorithmen, weshalb die Chancen auf Überraschungen deutlich besser stehen als etwa bei automatisch generierten Kaufempfehlungen im online-Shop.

Wenn E-Book-Plattformen ihren Lesern Social Reading in Form von Vernetzung mit  anderen Lesern über Kommentarfunktionen oder Lesezirkel anbieten, wollen sie damit das Lese-Erlebnis des Nutzers um neue Möglichkeiten bereichern und als Anbieter von  E-Books attraktiver werden. Digitale Plattfomen können hier den Kunden nachhaltiger binden als etwa der Buchhändler um die Ecke, der E-Books über seine Website anbietet. Der Lesezirkel trifft sich zwar nur virtuell, wird aber unmittelbar in Verbindung mit dem Buch angeboten und ist u.U. mit seinen Funktionen auch in die Hardware integriert.

Auch Verlage haben Social Reading als Instrument der Akquise oder Kundenbindung für sich entdeckt. Manche Verlage erhoffen sich von Social Media einen direkten Draht zum Kunden, den sie bislang in aller Regel nicht hatten. Auch für den Start neuer Geschäftsmodelle verspricht man sich von Social Media positive Effekte, etwa durch virales Marketing. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob Social Media wirklich zu einer nachhaltigen Direktbeziehung zwischen Verlagen und Lesern (oder auch nur zu mehr Buchkäufen) führen wird. Wahrscheinlicher scheint – schon im Hinblick auf den immensen Aufwand, der mit erfolgreichem Social Media Marketing auf Dauer verbunden ist – dass Plattformbetreiber stärker als Verlage und Buchhandel von dieser Strategie profitieren können. Den Rest des Beitrags lesen »

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Ökosysteme binden auch mit unrentablen Geschäftsfeldern Kunden

Als 2007 der erste massenmarkttaugliche eReader von Amazon in den USA eingeführt wurde, war das digitale Lesen noch relativ unpopulär. Heute hingegen steht eine Vielfalt mobiler Lesegeräte zur Auswahl. Die Akzeptanz des digitalen Lesens hängt natürlich stark von der Verfügbarkeit bedienerfreundlicher und preisgünstiger Geräte ab. Dies treibt die Produzenten zu schnellem Handeln und verleiht dem Markt für mobile Endgeräte (eReader, Smartphones, Tablet-PCs) eine hohe Dynamik. Die funktionale Weiterentwicklung der mobilen Endgeräte wird in den kommenden Jahren maßgeblich durch neue Konsumentenwünsche sowie durch die weitere Marktdurchdringung getrieben. Jene Anbieter, denen es im Bereich der Integrationsfähigkeit multimedial angereicherter Inhalte gelingt, interaktive und Audio-Elemente sowie die Installation von Apps in ihre Wertschöpfungsnetze einzubinden, stehen vor einem lukrativen Wachstumsmarkt.

Große Internetfirmen wie Apple, Google oder Amazon haben das Internet in den letzten Jahren maßgeblich geprägt. Die Unternehmen konkurrier(t)en unter anderem mit Technologie um Aufmerksamkeit und Kundenloyalität. Diesen Unternehmen gelingt es, ihre Kunden und Zulieferer ebenenübergreifend entlang ihrer Wertschöpfungsprozesse durch Managemententscheidungen wie Schnittstellenpolitik (Application Programming Interface, APIs) und/oder strategische Allianzen an sich zu binden.

Der noch relativ junge E-Book-Markt wird vor allem durch die Auswirkungen des digitalen Strukturwandels vorangetrieben, der u.a. einhergeht mit einer hohen Adaptionsgeschwindigkeit web-basierter und mobiler Technologien sowie einem sich wandelnden Konsummuster- und Mediennutzungsverhalten der Menschen. Um sich im wachsenden Markt frühzeitig durch ein attraktives Preis-Leistungsverhältnis zu positionieren, sind technische Weiterentwicklungen und zudem sinkende Preise entscheidend. Über komparative Wettbewerbsvorteile verfügen jene Anbieter, die über das gesamte Wertschöpfungsnetz vertreten sind. So haben sich z.B. Amazon und Apple erfolgreich sowohl als Anbieter von on- und offline-Diensten (Musik, Videos, Apps, E-Books) als auch als Lieferant von Endgeräten positioniert. Den Rest des Beitrags lesen »

Martin Weigert widmet sich auf netzwertig genau jener Frage, die uns auch im Rahmen unseres Forschungsprojektes umtreibt: Wie verändert sich das Web durch den Trend zum Aufstieg großer, plattformbasierter Ökosysteme. In seinem Beitrag ‚Geschlossene Ökosysteme: Abschied vom Netz wie wir es kennen?‚ warnt er:

Das Internet in seiner bisherigen Form wird nicht nur durch Regierungen und fortschrittsfeindliche Unternehmen bedroht. Die Demontage eines offenen Netzes findet auch von “innen” statt.

Denn die Nutzerinnen und Nutzer verbringen einen wachsenden Anteil ihrer Online-Zeit hinter den Zäunen, die von Plattformbetreibern rund um – aber auch innerhalb (vgl. ‚Das ist Ökosystemisierung #2: Killer Kindle‚) – ihre(r) Ökosysteme errichten. Besonders wirkmächtig sind solche ‚walled gardens‚ Weigert zu Folge, wenn sie Hard- und Software-Ebene miteinander verknüpfen. Den Hauptgrund dafür sieht Weigert in einem Gewinn an Bequemlichkeit, der damit für die Anwender verbunden ist:

Was Open-Source-Apologeten nicht wahrhaben wollen, bestätigt das Gros der Internetnutzer mit dem eigenen Verhalten: In entscheidenden Punkten erweisen sich geschlossene Software- und Ökosysteme gegenüber den offenen Alternativen als überlegen. Bisher zumindest.

Ob dieser Trend unumkehrbar ist und das Internet einfach den Weg aller neuen Medientechnologien hin zum Oligopol geht (vgl. Tim Wus ‚The Master Switch‚), da ist sich Weigert auch nicht sicher, er verweist aber auf einen Beitrag von US-Blogger Robert Scoble, der da behauptet, es sei bereits zu spät ‚to save the common web.

Wenn Tim Carmody auf wired schreibt „Amazon didn’t happen to your local independent bookstore; America happened to your local bookstore”, spricht er davon, dass nicht ein Unternehmen bzw. dessen Erfolg für den vielbeschworenen Untergang stationärer Buchhandlungen in den USA verantwortlich ist, sondern eine ganze Reihe von Faktoren, die aufgrund ihrer Komplexität und Tragweite mit dem Schlagwort „Verdrängungswettbewerb“ nicht zu erfassen sind. Tatsächlich befindet sich der stationäre Buchhandel in den USA zurzeit bekanntlich in einer schweren Krise; der Absatz von Büchern im Internet – seien sie gedruckt oder elektronisch – steigt dagegen stetig.

Dass auch in Deutschland der Online-Buchhandel seit einigen Jahren im Verhältnis zu anderen Vertriebswegen wächst, wird niemanden überraschen. Dabei spielen große Content-Anbieter wie Apple und Amazon natürlich eine wichtige Rolle. Müssen wir deshalb nun ebenfalls das Verschwinden der Buchhandlung um die Ecke fürchten? Bedeutet daher gar die Einführung des E-Book langfristig den Untergang des stationären Buchhandels in Deutschland? Oder haben wir es doch mit einer komplexeren Fragestellung zu tun?

Es gibt durchaus Faktoren, die dafür sprechen, dass die Entwicklung in Deutschland eine andere sein wird als in den USA. Schon das flächendeckende Netz von Buchhandlungen sowie die außerordentlich effiziente Logistik der Großhändler, die Buchhändlern hierzulande zur Verfügung steht, geben ein ganz anderes Bild des stationären Buchhandels ab als dies jenseits des Atlantiks der Fall ist. Im Internet dagegen sind es hier wie dort die US-basierten Content-Plattformen, die den Verbraucher für ihren Shop, ihr Endgerät und ihre Dienste – also für ihr Ökosystem – gewinnen wollen.

Ronald Schild, Geschäftsführer des Branchendienstleisters MVB (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH) sieht eine Entwicklung hin zu geschlossenen Ökosystemen im Contentvertrieb mit Sorge, da er fürchtet, große Teile des Handels könnten ausgeschlossen werden. Zudem beobachtet er einen Trend zur vertikalen Rückwärtsintegration darin, dass Vertriebsplattformen bereits versuchen, die Funktion von Verlagen übernehmen. Beide Entwicklungen, fürchtet er, könnten zu einer Verengung des kulturellen Raums führen:

Wir haben zur Zeit eine Vielzahl von über 20,000 Verlagen und Selbstverlagen, die in Deutschland publizieren sowie rund 5000 Buchhändler. Diese Diversität garantiert kultrelle Vielfalt. Es gibt spezialisierte Buchhändler und Nischenprodukte. Wenn das alles wegfiele, wäre das kulturelle Leben deutlich ärmer. Den Rest des Beitrags lesen »

Am Dienstag, den 20. Dezember 2011 besuchten wir Prof. Steffen Staab, den Gründer und Leiter des Instituts WeST (Web Science and Technologies) an der Universität Koblenz-Landau. Gemeinsam gingen wir der Frage nach, inwieweit das Internet als Netzwerk von Ökosystemen Innovationen im Web beeinflusst und welche Herausforderungen in Hinsicht auf die sog. Ökosystemisierung des Internet  für die Zukunft bestehen.

Prof. Staab sieht in Ökosystemisierung keine Schließung des Netzes vor der breiten Maße von Entwicklern. Facebook und Android gehören ja im klassischen Sinne zu offenen Systemen, obwohl man in ihnen auch Eigenschaften von Ökosystemen erkennen kann. Das Problem liegt seiner Meinung nach darin, dass die Betreiber von solchen Systemen von ihrer Größe überproportional profitieren. Als einen möglichen Grund dafür nannte er fehlende Gesetzgebung, die das Recht auf eigene Daten bestimmen würde. Die Mitnahme eigener Daten aus solchen Systemen sollte deutlich vereinfacht werden. Nur so ist ein offenes Wettbewerb mit den Web-Riesen möglich. Darüber hinaus wies er darauf hin, dass es sich oft aufgrund der zu milden Strafen für die großen Netzbetreiber lohnt, die Datenschutzgesetze zu missachten. Seiner Meinung nach müsste sich diesbezüglich auf der Seite der Gesetzgebung auch Einiges ändern.

Eine der zentralen Thesen, die in diesem Blog verhandelt werden (vgl. z.B. „Zurück in die Zukunft des Internets„), ist jene, dass sich das Internet mehr und mehr in ein Netzwerk zumindest teilweise geschlossener Ökosysteme verwandelt. Zu diesem Thema war deshalb vergangene Woche Nico Lumma zu Besuch bei unserer Forschungsgruppe in Berlin und hat kurz darauf einen Kommentar bei t3n zu diesem Thema veröffentlicht: „Die Rückkehr der Walled Gardens – das freie Web ist vorbei„.

Aber selbst wenn über diese These Einigkeit herrscht, ist damit noch wenig über die Folgen dieser Ökosystemisierung des Internets gesagt. Und zwar vor allem deshalb, weil diese neuen Ökosysteme ja nicht völlig geschlossen sind, wie es beispielsweise Compuserve oder AOL waren. Im Gegenteil, Facebook ist ja vor allem deshalb so interessant, weil ständig auf die weite und freie Welt außerhalb von Facebook verwiesen werden kann, über den Like-Button wird möglichst viel davon importiert. Und zumindest teilweise lassen sich diese Ökosysteme ja miteinander verknüpfen, über Feeds oder über Apps. Die Gegenüberstellung „offen“ vs. „geschlossen“ greift also zu kurz um die Folgen der Ökosystemisierung zu beurteilen (vgl. auch „Offenheit unbefangen und ganzheitlich betrachten„).

In einem Streitgespräch zwischen Jonathan Zittrain (Harvard-Rechtsprofessor) und Mark VandenBrink (CEO von Frog Design) stellt das WallStreetJournal allerdings genau das zur Diskussion: „Is It Better for Businesses to Adopt Open or Closed Platforms?“ Die Antworten der beiden Befragten fallen hierzu durchaus differenzierter aus. VandenBrink nennt beispielsweise die Gefahr der Fragmentierung von Schnittstellen als den zentralen Nachteil allzu offener Plattformen: Den Rest des Beitrags lesen »

Den besseren Titel für einen Eintrag zu diesem Thema hatte bereits Nico Lumma weggeschnappt: „Vom Internet zum Netzwerk der Ökosysteme„. Anlässlich der Vorstellung von Amazons neuem Tablet „Kindle Fire“ (siehe obiges Video) skizziert Lumma, wie sich das Internet durch die Dominanz von Plattformen in immer mehr Bereichen verändert:

Das Interessante ist doch, daß Google, Facebook, Amazon und Apple gigantische Ökosysteme geschaffen haben, die Wertschöpfung im Zentrum haben, aber durch Schnittstellen mehr oder weniger offen nach Außen hin sind. […] Diese neuen Ökosysteme sorgen dafür, daß sie große Zahlen von Nutzern an sich binden, dann bieten sie Dritten den Zugang zu diesen Nutzern an und profitieren dadurch, entweder weil Dritte von den Nutzern gewollte Dienstleistungen erbringen oder Inhalte liefern, oder schlicht weil Dritte für den Zugang zu den Nutzern bezahlen.

Für Unternehmen ist mit dieser Entwicklung verbunden, dass sie es ohne Zugang zu einem dieser Ökosysteme immer schwerer haben werden, potentielle Kunden zu erreichen. Aus Nutzerperspektive ist mit diesen Ökosystemen eine Vereinfachung verbunden. Lumma:

Der Computer mit seinem Betriebsystem wird immer weniger sichtbar, sondern das Ökosystem steht im Vordergrund. Die Einfachheit ist allerdings verbunden mit einer engeren Verknüpfung mit einem Ökosystem und es wird in Zukunft immer schwieriger werden, sich aus dem Lock-In eines Ökosystem zu befreien, weil es eben so schön praktisch und einfach ist.

Am Ende seines Beitrags drückt Lumma seine diesbezügliche Skepsis in Form einer, wenn nicht der entscheidenden Frage bezüglich der Zukunft des Internets aus: „Schöne neue Welt?“ Den Rest des Beitrags lesen »