Archive für Beiträge mit Schlagwort: Offenheit

Mitte der Woche durfte ich bei der Frankfurt Digital Night des Börsenvereins des deutschen Buchhandels über die Bedeutung von offenen Programmierschnittstellen für innovative Dienstleistungen rund um E-Books sprechen. Zentrales Argument des Vortrags: Im Bereich von social reading und data-driven publishing wird Offenheit von Schnittstellen zu einem Feature. Mehr zum Thema im Policy Brief der Forschungsgruppe (PDF).


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Thomas Schauf, Associate im Projekt „The Business Web“ und Senior Fachgruppenmanager beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V., hat zum Stichwort „Ökosystemisierung“ einen spannenden Policy Essay vorgelegt: „Das Internet als Netzwerk von Ökosystemen: Weniger Offenheit, mehr Konzentration?“ In der Zusammenfassung heißt es dazu:

Das Internet wird immer für sein innovationsförderndes Potential, seine Offenheit gerühmt. Was aber heißt Offenheit, wenn mehr und mehr Services in die Cloud wandern? Oder eben nicht in „die“ Cloud, sondern in viele, privatisierte Clouds, die vielleicht gar nicht miteinander kompatibel sind. Welche Folgen hat es für Innovation, wenn aus dem Internet ein Netzwerk von plattformbasierten Ökosystemen wird, in dem Plattformbetreiber die Spielregeln vorgeben? Mit dem Stichwort der „Ökosystemisierung“ versucht dieses Policy Paper diese Entwicklung des Internets zu skizzieren.

Das Papier als PDF-Download verfügbar.

 

 

Eines der wichtigsten Schlagworte innerhalb der Fragestellung, wie wirtschaftliche Akteure durch ihre Unternehmensstrategien das Internet beeinflussen, ist zweifellos “Offenheit”. Dieses Stichwort aufgebracht, sind einfache Bewertungen oft schnell bei der Hand: offene Systeme sind gut, geschlossene Systeme sind schlecht. Das angeblich so geschlossene iUniversum katapultierte Apple gleichwohl binnen 10 Jahren zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Der Erfolg scheint dem Unternehmen also Recht zu geben – und mit ihm der Erfolg komplementärer Angebote: der  Umsatz mit digitaler Musik steigt von Jahr zu Jahr und auch mit Drittprogrammen für diese Geräte lässt sich offenbar Wertschöpfung betreiben.

Startet ein System als offenes, stehen häufig intrinsische Motive im Vordergrund. Rückt jedoch irgendwann die eigene Gewinnmaximierung in den Fokus, muss sich jeder Wirtschaftsteilnehmer fragen, wie er sich ein Alleinstellungsmerkmal schafft. Ein häufig wesentlicher Faktor dafür ist Exklusivität und damit den Ausschluss von potenziellen Wettbewerbern im Kerngeschäft. Den Grad der dann noch an den Tag zu legenden Offenheit eines Geschäftsmodells festzusetzen, ist eine große Herausforderung, insbesondere wenn es sich wie in der Welt von Amazon, Apple und Google über verschiedene Stufen der Wertschöpfungskette erstreckt.

“For a start, the distinction between open and closed is fuzzy.”

So beginnt der Economist eine Analyse anlässlich der Einführung von Amazons Kindle Fire. Das ist eine vielleicht banal anmutende, aber wichtige Ausgangsfeststellung. So offen oder geschlossen wie manche Ökosysteme auf den ersten Blick erscheinen, sind sie nämlich zumeist gar nicht. Eine tiefer greifende Analyse geht Boston Consulting im Auftrag des amerikanischen Telekommunikationsunternehmens Liberty Global an. Einige der Ergebnisse sind ebenfalls überraschend naheliegend, können einer häufig verklärten und verallgemeinernden Diskussion um Offenheit und ihren Wert jedoch noch wertvolle Impulse vermitteln:

  • The notion that everything that is open brings benefits to consumers, markets and the economy at large, while closed has a negative effect does not hold.
  • Most systems that are viewed as open frequently have significant closed elements to them.
  • […] business models employ a mixture of more open and more closed elements, where the most important strategic assets are often the most closed ones.
  • Companies dynamically adjust the openness levels of their assets […]

Die Analysten von Boston Consulting richten sich mit ihren Ausführungen maßgeblich an politische Entscheidungsträger, denen sie empfehlen bei regulatorischen Entscheidungen einen ganzheitlichen Maßstab anzulegen und insbesondere verschiedene Stufen von Wertschöpfungsketten und deren jeweilige Notwendigkeiten zu betrachten. Jedoch dürften sich auch Unternehmen in dieser differenzierten Aufschlüsselung bestätigt sehen, wenn sie die Kronjuwelen, aus denen die eigene Marktstellung resultiert, möglichst geschlossen halten, sich aber an allen möglichen Stellen bewusst für komplementäre Wertschöpfung öffnen.