Archive für Beiträge mit Schlagwort: Jonathan Zittrain

Eine der zentralen Thesen, die in diesem Blog verhandelt werden (vgl. z.B. „Zurück in die Zukunft des Internets„), ist jene, dass sich das Internet mehr und mehr in ein Netzwerk zumindest teilweise geschlossener Ökosysteme verwandelt. Zu diesem Thema war deshalb vergangene Woche Nico Lumma zu Besuch bei unserer Forschungsgruppe in Berlin und hat kurz darauf einen Kommentar bei t3n zu diesem Thema veröffentlicht: „Die Rückkehr der Walled Gardens – das freie Web ist vorbei„.

Aber selbst wenn über diese These Einigkeit herrscht, ist damit noch wenig über die Folgen dieser Ökosystemisierung des Internets gesagt. Und zwar vor allem deshalb, weil diese neuen Ökosysteme ja nicht völlig geschlossen sind, wie es beispielsweise Compuserve oder AOL waren. Im Gegenteil, Facebook ist ja vor allem deshalb so interessant, weil ständig auf die weite und freie Welt außerhalb von Facebook verwiesen werden kann, über den Like-Button wird möglichst viel davon importiert. Und zumindest teilweise lassen sich diese Ökosysteme ja miteinander verknüpfen, über Feeds oder über Apps. Die Gegenüberstellung „offen“ vs. „geschlossen“ greift also zu kurz um die Folgen der Ökosystemisierung zu beurteilen (vgl. auch „Offenheit unbefangen und ganzheitlich betrachten„).

In einem Streitgespräch zwischen Jonathan Zittrain (Harvard-Rechtsprofessor) und Mark VandenBrink (CEO von Frog Design) stellt das WallStreetJournal allerdings genau das zur Diskussion: „Is It Better for Businesses to Adopt Open or Closed Platforms?“ Die Antworten der beiden Befragten fallen hierzu durchaus differenzierter aus. VandenBrink nennt beispielsweise die Gefahr der Fragmentierung von Schnittstellen als den zentralen Nachteil allzu offener Plattformen: Den Rest des Beitrags lesen »

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In seinem Buch „The Future of the Internet and How to Stop it“ führt Harvard-Jurist Jonathan Zittrain das Innovationspotential des Internets auf dessen Generativität („generativity“) zurück (siehe auch „Zurück in die Zukunft des Internets?„). Sowohl PC als auch Netzwerk sind demnach Universalwerkzeuge, die nicht von vornherein für einen bestimmten Zweck optimiert sind. Zittrain zu Folge gibt es zwei zentrale, innovationsfördernde Aspekte dieser Generativität – Offenheit für unerwarteten Wandel und die Möglichkeit Beiträge breiter und diverser Öffentlichkeiten zu integrieren:

Generativity’s benefits can be grouped more formally as at least two distinct goods, one deriving from unanticipated change, and the other from inclusion of large and varied audiences. (S. 80)

Schattenseite dieser Offenheit für Innovation durch Dritte sind aber unvermeidliche Sicherheitsrisiken, die einen ständigen Wettlauf zwischen Entwicklern von Schadsoftware und Systementwicklern bedingen. Zittrain nennt diesen Umstand das Dilemma der Generativität (S. 61). Mehr Innovationmöglichkeiten generativer Systeme bedeuten also auch größere Unsicherheiten.

Nicht alle Plattformhersteller sind aber gewillt, dauerhaft dieses Spannungsverhältnis auszuhalten und setzen stattdessen auf einen Rückbau an Generativität, indem sie die Möglichkeit der Erweiterung und Umnutzung von Plattformtechnologien durch Dritte einschränken. Einen großen Schritt in diese Richtung verkündete heute Apple. In Zukunft wird sie alle Anbieter von Software, die über den Hauseigenen AppStore vertrieben wird, in ‚Sandkästen‘ einsperren, die nur noch eingeschränkten Zugriff auf Systemprozesse und -ressourcen erlauben; und zwar nicht nur am iPhone – dort ist das schon länger üblich – sondern auch auf Macintosh Computern.  Den Rest des Beitrags lesen »

Den besseren Titel für einen Eintrag zu diesem Thema hatte bereits Nico Lumma weggeschnappt: „Vom Internet zum Netzwerk der Ökosysteme„. Anlässlich der Vorstellung von Amazons neuem Tablet „Kindle Fire“ (siehe obiges Video) skizziert Lumma, wie sich das Internet durch die Dominanz von Plattformen in immer mehr Bereichen verändert:

Das Interessante ist doch, daß Google, Facebook, Amazon und Apple gigantische Ökosysteme geschaffen haben, die Wertschöpfung im Zentrum haben, aber durch Schnittstellen mehr oder weniger offen nach Außen hin sind. […] Diese neuen Ökosysteme sorgen dafür, daß sie große Zahlen von Nutzern an sich binden, dann bieten sie Dritten den Zugang zu diesen Nutzern an und profitieren dadurch, entweder weil Dritte von den Nutzern gewollte Dienstleistungen erbringen oder Inhalte liefern, oder schlicht weil Dritte für den Zugang zu den Nutzern bezahlen.

Für Unternehmen ist mit dieser Entwicklung verbunden, dass sie es ohne Zugang zu einem dieser Ökosysteme immer schwerer haben werden, potentielle Kunden zu erreichen. Aus Nutzerperspektive ist mit diesen Ökosystemen eine Vereinfachung verbunden. Lumma:

Der Computer mit seinem Betriebsystem wird immer weniger sichtbar, sondern das Ökosystem steht im Vordergrund. Die Einfachheit ist allerdings verbunden mit einer engeren Verknüpfung mit einem Ökosystem und es wird in Zukunft immer schwieriger werden, sich aus dem Lock-In eines Ökosystem zu befreien, weil es eben so schön praktisch und einfach ist.

Am Ende seines Beitrags drückt Lumma seine diesbezügliche Skepsis in Form einer, wenn nicht der entscheidenden Frage bezüglich der Zukunft des Internets aus: „Schöne neue Welt?“ Den Rest des Beitrags lesen »