Archive für Beiträge mit Schlagwort: E-Books

Verlage stellen sich den Herausforderungen des digitalen Strukturwandels, indem sie sich an ein digitales Ökosystem andocken oder selbst zu einem Ökosystem werden

Digitalen Ökosystemen gelingt es, ihre Kunden und Zulieferer sowohl horizontal als auch vertikal entlang ihrer Wertschöpfungsprozesse durch strategische Schnittstellen (Application Programming Interface, APIs) und Allianzen an sich zu binden. Walled Garden ist eine Bezeichnung für ein Technologiekonzept, das eine eingegrenzte Umgebung beschreibt. Die Strategie steht für ein Geschäftsmodell, bei dem der Hersteller über exklusive Vertriebsmodelle die Kontrolle über angebotene Software, mobile Endgeräte (allgemein Hardware) und Inhalte behalten möchte, die nur einem bestimmten Kundenkreis zugänglich sind (Mautgut).

Es ist zu beobachten, dass digitale Ökosysteme trotz der unterschiedlichen Geschäftsmodelle, Erlösquellen und Kompetenzen in immer mehr Geschäftsfeldern im direkten Wettbewerb zueinander stehen. Sie integrieren eine Vielzahl an digitalen Inhalten, mobilen Endgeräte und Internetdienste unter einem Dach, damit ihre Kunden idealerweise das Ökosystem/die Plattform nicht mehr verlassen müssen. Die klassische Plattformstrategie, die sich dahinter verbirgt, wird als „Walled Garden“ (ummauerter Garten) bezeichnet. Somit sichern sie sich die eigene Marktposition, betreten zunehmend (auch) neue Geschäftsfelder, um ihr Wachstum langfristig zu festigen, und setzen eigene Standards (Technologien) innerhalb ihrer Systeme durch. Im Vergleich zum klassischen, plattformneutralen Internet werden als Hauptargumente für „Walled Garden“-Strategien i.d.R. Komfort, Sicherheit und Monetarisierung angeführt.

Walled Garden Systeme stehen jedoch auch in einem gewissen Widerspruch zu den Interessen der Entwickler und Nutzer, die langfristig selbstbestimmt über von ihnen erworbene Hardware und Technologie verfügen möchten. Denn ein Angebot im Walled Garden-System ist so konzipiert, dass der Wechsel zu einer anderen Plattform relativ zeit- und kostenintensiv werden kann. In den meisten Fällen ist das zugrundeliegende Betriebssystem mit einschränkenden Rechten versehen, so dass Produkte oder Dienstleistungen anderer Anbieter nicht genutzt werden können. Um diese Interoperabilitätsbarriere zu umgehen, können zwar Sicherheitslücken der Geräte ausgenutzt werden (Jailbreak, Rooten), in der Regel verfällt dann aber der Leistungs- und Garantieschutz sowie der technische Support des Anbieters, was die Kosten für den Konsumenten zusätzlich in die Höhe treiben kann.

Aus innovations- und wettbewerbspolitischen Gründen können Offenheit und Interoperabilität auch als Kontrollinstrumente verwendet werden, um monopolähnliche Strukturen mit relativ starker Marktposition und hoher Kundenbindung zu schaffen.

Chancen für Verlage: Wenn Verlage…

Den Rest des Beitrags lesen »

Advertisements

Die Chancen für den stationären Buchhandel im E-Book-Geschäft stehen und fallen mit dem Leseerlebnis

Wenn im Zuge der Digitalisierung des Buchmarktes immer mehr E-Books konsumiert werden, erscheint es zunächst zwangläufig, dass diese Produkte nicht mehr beim Buchladen um die Ecke gekauft, sondern als Download auf der Plattform eines der großen Internetanbieter oder beim Verlag direkt erworben werden. Ladengeschäfte mit Schaufenster und Bücherregalen sind auf den ersten Blick keine natürlichen Player im E-Book-Geschäft. In den USA und Großbritannien scheint sich diese Vermutung auch zu bewahrheiten: das Sterben der Buchhandlungen nimmt mit dem Anstieg der E-Book-Verkäufe rasant zu.

Im Kontext der Betrachtung digitaler Ökosysteme stellt sich damit die Frage, ob eine bestimmte Gruppe von traditionellen Marktteilnehmern auf einem neuen benachbarten Markt eine Rolle spielen kann. Können also Buchhändler im E-Book Geschäft mitmischen, oder müssen sie die Rolle der Verkäufer und Berater den Plattformbetreibern überlassen?

In der Tat scheint der stationäre Buchhandel in Deutschland derzeit mit einem geringen Anteil an den E-Book-Verkäufen vertreten zu sein. Allerdings möchten Buchhändler die technische Entwicklung offenbar nicht verpassen. So zeigen die Zahlen der Branche, dass 2012 bereits 65% der Buchläden E-Books und/oder E-Reader anboten. Bei kleinen Buchhandlungen zeigte sich zwischen 2011 und 2012 ein Anstieg von 22% auf 50% der Ladengeschäfte, die E-Books im Sortiment haben. Im Hinblick darauf, dass laut einer Studie der Uni Hamburg bereits 2011 jeder vierte Leser E-Books nutzte und dass 2012 schon 45% der Buchkäufer zumindest auch E-Books kauften, ist verständlich, dass der traditionelle Buchhandel seine Kunden – denn das sind eben diese Leser und Buchkäufer – nicht an online-Plattformen verlieren möchte.

Dies kann in Deutschland auch gegen den allgemein empfundenen (und im Ausland bereits verwirklichten) Trend gelingen, wenn der stationäre Buchhandel seine Sache gut macht. Buchhändler sind in Deutschland noch an vielen Straßenecken vertreten und vielen Lesern persönlich bekannt. Zudem sorgt die Buchpreisbindung dafür, dass das E-Book überall zum gleichen Preis zu haben ist. Das sind wesentliche Vorteile gegenüber der Situation in den USA oder Großbritannien. Wo es Buchläden gelingt, ihre digitalen Angebote gut sichtbar zu bewerben, zeigt sich, dass auch neue Kundengruppen den Weg in die Läden finden. Die Beratungskompetenz eines erfahrenen Buchhändlers, die kein online-Shop in der Form bieten kann, lässt sich auch im E-Book-Geschäft fruchtbar machen. Dass sich eben diese Berater auch mit digitalen Medien, Hardware und technischen Fragen zunehmend gut auskennen müssen, ist dabei selbstverständlich. Den Rest des Beitrags lesen »

Social Reading-Elemente verstärken die Bindung einer bestimmten Gruppe von Konsumenten an das digitale Ökosystem

E-Book-Plattformen bieten ihren Nutzern häufig Foren und andere Social Reading-Elemente an, die den Austausch zwischen Lesern über Bücher erlauben. Aber auch andere Websites, Blogs oder Dienste (wie etwa books140 auf Twitter) bieten verschiedene Formen des „Social Reading“. Der Austausch über Gelesenes im Netz erfreut sich bei den Nutzern offenbar großer Beliebtheit. Immerhin sind es hier echte Menschen, die ein Buch empfehlen, und nicht Algorithmen, weshalb die Chancen auf Überraschungen deutlich besser stehen als etwa bei automatisch generierten Kaufempfehlungen im online-Shop.

Wenn E-Book-Plattformen ihren Lesern Social Reading in Form von Vernetzung mit  anderen Lesern über Kommentarfunktionen oder Lesezirkel anbieten, wollen sie damit das Lese-Erlebnis des Nutzers um neue Möglichkeiten bereichern und als Anbieter von  E-Books attraktiver werden. Digitale Plattfomen können hier den Kunden nachhaltiger binden als etwa der Buchhändler um die Ecke, der E-Books über seine Website anbietet. Der Lesezirkel trifft sich zwar nur virtuell, wird aber unmittelbar in Verbindung mit dem Buch angeboten und ist u.U. mit seinen Funktionen auch in die Hardware integriert.

Auch Verlage haben Social Reading als Instrument der Akquise oder Kundenbindung für sich entdeckt. Manche Verlage erhoffen sich von Social Media einen direkten Draht zum Kunden, den sie bislang in aller Regel nicht hatten. Auch für den Start neuer Geschäftsmodelle verspricht man sich von Social Media positive Effekte, etwa durch virales Marketing. Es bleibt jedoch abzuwarten, ob Social Media wirklich zu einer nachhaltigen Direktbeziehung zwischen Verlagen und Lesern (oder auch nur zu mehr Buchkäufen) führen wird. Wahrscheinlicher scheint – schon im Hinblick auf den immensen Aufwand, der mit erfolgreichem Social Media Marketing auf Dauer verbunden ist – dass Plattformbetreiber stärker als Verlage und Buchhandel von dieser Strategie profitieren können. Den Rest des Beitrags lesen »

Mitte der Woche durfte ich bei der Frankfurt Digital Night des Börsenvereins des deutschen Buchhandels über die Bedeutung von offenen Programmierschnittstellen für innovative Dienstleistungen rund um E-Books sprechen. Zentrales Argument des Vortrags: Im Bereich von social reading und data-driven publishing wird Offenheit von Schnittstellen zu einem Feature. Mehr zum Thema im Policy Brief der Forschungsgruppe (PDF).


Im Musikmarkt hat mit Apple / iTunes ein geschlossen wirkendes System seinen Siegeszug angetreten. Andere Plattformen haben sukzessive an Marktanteil verloren. Was sind Voraussetzungen für erfolgreiche Geschäftsmodelle und was kann man daraus für den E-Book-Markt lernen?

Wir haben dazu Tina Rodriguez befragt. Sie leitete von 2000 bis 2004 bei Sony Music Entertainment als Director eMedia & New Technologies die Aktivitäten von Sony Music im Internet und mobilen Markt in Deutschland, Schweiz und Österreich. 2005 wechselte Rodriguez als Head Of Music zur Vodafone D2 GmbH. Hier führte sie das Produktmanagement-Team und verantwortete den Markterfolg aller graphischen und Musikprodukte. Seit 2007 bietet sie mit „Digitale Medien Beratung“ strategische Beratung und Projektmanagement im Online und Mobile Entertainment Markt. Nach Veröffentlichungen zum digitalen Musikmarkt publizierte sie zuletzt mit www.literaturverkaufen.de ein Memorandum zu den Herausforderungen der Buchwirtschaft im digitalen Wandel.

Ähnlich wie jetzt im E-Book-Geschäft hat auch im Musikmarkt mit iTunes ein geschlossenes Ökosystem den Markt bereitet. Was sind die Gründe dafür?

Tina Rodriguez: Musik hören am PC war seinerzeit noch kein primärer Use Case. Aber Musik hören unterwegs, vom MP3 Player, das war eine recht weit verbreitete Nutzung. Im Musikmarkt war das Endgerät – der iPod – lange vor dem Downloadangebot von iTunes am Markt und ein erfolgreiches Abspielgerät. Die Musik kam – im Idealfall – von den auf dem PC abgespeicherten Musik-CDs. Diese Musiksammlung und deren Übertragung auf den iPod haben die meisten Nutzer nicht mit dem Dateimanager verwaltet, sondern mit der mitgelieferten Software iTunes. Mit anderen Worten: Das Gerät war schon verbreitet, die Software schnell installiert, dann erst wurde der iTunes Music-Shop in das bestehende Ökosystem hineingesetzt. Dessen Bedienung war einfach und intuitiv: Man musste keine ganze CD mehr kaufen, sondern konnte die besten Songs raussuchen. Kein Warten auf den Amazon-Kurier oder den nächsten Besuch beim Mediamarkt. CD-Rippen war nicht mehr notwendig. Keine lästige Eingabe der Kreditkarten-Details mehr (sobald man einmal mit den nötigen Daten registriert war) – einfach „klick“ und der Song ist gekauft. Nochmal „klick“ und er ist fertig zum mitnehmen. Jeder eCommerce-Anbieter weiß: eingesparte Klicks sind Geld wert, je kürzer der Klickpfad zum Kauf ist, um so mehr Umsatz macht ein Produkt. Den Rest des Beitrags lesen »

Prof. Dirk Riehle ist nicht nur Deutschlands erster Professor für Open Source an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied im Beirat des Projekts ‚The Business Web‚, sondern bloggt auch regelmäßig unter dirkriehle.com. In seinem jüngsten Blogeintrag widmet er sich dort E-Books und damit einem Thema, das auch in diesem Forschungsprojekt eine große Rolle spielt.

Anlass für seinen Eintrag mit Titel ‚Publishers, E-Books, and DRM‚ war ein Brief (PDF) des Verlags Pearson, in dem dieser die Sicherheit des verwendeten Digital Rights Managements (DRM) anpreist:

Ein ebenso wichtiges Thema ist für uns – wie für Sie – die Sicherheit, dass unsere Inhalte nicht ungeschützt online verfügbar sind. Daher arbeiten wir mit Partnern zusammen, deren Plattformen etwa durch den Einsatz von DRM für diese Sicherheit bürgen.

Bei Riehle sorgte dieser Brief jedoch für weniger Begeisterung. Details finden sich im bereits erwähnten Blogeintrag, ein paar Highlights der Antwort seien aber hier kurz angeführt: Den Rest des Beitrags lesen »