Archive für Beiträge mit Schlagwort: Apple

Bereits im Eröffnungseintrag der Serie „Das ist Ökosystemisierung“ waren die strengen Bestimmungen des Apple App Stores als einzigem Zugangsportal für die iOS-Plattform Thema. Konkret verbot Apple Links auf externe Inhalte.

Im Fall des jüngsten Feature-Verbots geht es um den umgekehrten Fall: die Integration des Micropayment-Dienstes Flattr in iOS-Apps ist ebenfalls nicht erlaubt. T3n berichtet vom Fall der iPad-Podcast-App Instacast HD, die es wegen der Integration von Flattr nicht durch den Apple-Review geschafft hat:

Der Computerkonzern beharrt offenbar auf den Punkt 21.2 in den App-Store-Geschäftsbedingungen. Dort heißt es: „Die Sammlung von Spenden muss über eine Website in Safari oder per SMS geregelt sein.“ In einem Schreiben an Flattr formuliert es der Computerkonzern folgendermaßen: „Wir verstehen, dass die Auslagerung der Spenden außerhalb der App nicht die Nutzerfreundlichkeit darstellt, die Sie Ihren Nutzern bieten wollen. Allerdings ist genau dies der allgemeine Umgang mit Spenden in einer Vielzahl von iOS-Apps.“

Dass das mit Folgen für Kreative verbunden ist, zeigt das Beispiel des Podcasters Tim Pritlove, der mittlerweile substantielle Einnahmen via Flattr erzielt. Jedenfalls ist auch das wiederum ein Beispiel, wie die Präferenz des Plattformbetreibers für den eigenen, mit Einnahmen verbundenen Bezahldienst (In-App-Purchases im Fall von Apple), ein Innovationshindernis für die Etablierung neuer Bezahldienste durch Dritte bedeuten kann. Denn, wie Sascha Lobo so schön formuliert, plattformbasierte Ökosysteme sind eben bestenfalls „geborgtes Internet“.

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In der Serie „Das ist Ökosystemisierung“ versuchen wir dem etwas sperrigen Begriff durch kurze, anschauliche Beispiele Leben einzuhauchen. Dahinter steckt die Überzeugung, dass der Trend zur Ökosystemisierung die Eigenschaft des Internet als Inkubator und Katalysator für Innovation grundlegend verändert.

Es ist nur eine kleine Randnotiz in der ersten Ausgabe der Zeitschrift c’t des Jahres 2012 mit der Überschrift „c’t auf dem iPhone“. Die c’t ist eine der größten und wahrscheinlich die seriöseste Computerzeitschrift Europas für den Massenmarkt und wird herausgegeben vom Heise-Verlag mit Sitz in Hannover.

In dieser Randnotiz über die kostenlose App „c’t Viewer“ heißt es dort wie folgt:

„Die App hätte eigentlich in der Miniaturansicht unter den Artikeln antippbare c’t-Links enthalten sollen, wurde jedoch von Apple deswegen abgelehnt. Apple verbietet in seinen Richtlinien Links auf ‚externe Mechanismen für Käufe oder Abonnements, die sich in der App verwenden lassen‘ und hat dem Verlag nahegelegt, doch Kauf- oder Abo-Funktionen einzubauen, sogenannte In App Purchases, an denen Apple mitverdient. Die Argumentation des Verlages, dass die verlinkten Seiten keine Kauffunktion haben und nicht einmal auf den Abo-Shop verweisen, konnte Apples Reviewer nicht umstimmen. So enthält die App bis auf Weiteres keine Links.“

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In seinem Buch „The Future of the Internet and How to Stop it“ führt Harvard-Jurist Jonathan Zittrain das Innovationspotential des Internets auf dessen Generativität („generativity“) zurück (siehe auch „Zurück in die Zukunft des Internets?„). Sowohl PC als auch Netzwerk sind demnach Universalwerkzeuge, die nicht von vornherein für einen bestimmten Zweck optimiert sind. Zittrain zu Folge gibt es zwei zentrale, innovationsfördernde Aspekte dieser Generativität – Offenheit für unerwarteten Wandel und die Möglichkeit Beiträge breiter und diverser Öffentlichkeiten zu integrieren:

Generativity’s benefits can be grouped more formally as at least two distinct goods, one deriving from unanticipated change, and the other from inclusion of large and varied audiences. (S. 80)

Schattenseite dieser Offenheit für Innovation durch Dritte sind aber unvermeidliche Sicherheitsrisiken, die einen ständigen Wettlauf zwischen Entwicklern von Schadsoftware und Systementwicklern bedingen. Zittrain nennt diesen Umstand das Dilemma der Generativität (S. 61). Mehr Innovationmöglichkeiten generativer Systeme bedeuten also auch größere Unsicherheiten.

Nicht alle Plattformhersteller sind aber gewillt, dauerhaft dieses Spannungsverhältnis auszuhalten und setzen stattdessen auf einen Rückbau an Generativität, indem sie die Möglichkeit der Erweiterung und Umnutzung von Plattformtechnologien durch Dritte einschränken. Einen großen Schritt in diese Richtung verkündete heute Apple. In Zukunft wird sie alle Anbieter von Software, die über den Hauseigenen AppStore vertrieben wird, in ‚Sandkästen‘ einsperren, die nur noch eingeschränkten Zugriff auf Systemprozesse und -ressourcen erlauben; und zwar nicht nur am iPhone – dort ist das schon länger üblich – sondern auch auf Macintosh Computern.  Den Rest des Beitrags lesen »