Tools of Change (ToC) ist der Titel einer jährlichen Konferenz des US-Verlags O’Reilly, die sich mit der Zukunft des Publizierens im digitalen Zeitalter auseinandersetzt. Verantwortlich für ToC bei O’Reilly ist Joe Wikert, mit dem ich die Ehre hatte, die Bühne bei der diesjährigen Digital Night der Frankfurter Buchmesse zu teilen.

Eine englische Version meines Vortrags ist nun unter dem Titel „Creating Reader Community with Open APIs“ am ToC-Blog erschienen:

I spoke at the “Frankfurt Digital Night” at this year’s Frankfurt Book fair, making essentially three points (see slides embedded below): first, publishing requires – and has always required – a commitment to creating and courting communities of readers. Second, there are new digital tools emerging for creating and courting these communities. Third, in this context, openness in terms of APIs is becoming a feature.

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Mitte der Woche durfte ich bei der Frankfurt Digital Night des Börsenvereins des deutschen Buchhandels über die Bedeutung von offenen Programmierschnittstellen für innovative Dienstleistungen rund um E-Books sprechen. Zentrales Argument des Vortrags: Im Bereich von social reading und data-driven publishing wird Offenheit von Schnittstellen zu einem Feature. Mehr zum Thema im Policy Brief der Forschungsgruppe (PDF).


Das Internet mehr und mehr zu einem Netzwerk von plattformbasierten Ökosystemen. Es entstehen partiell abgeschlossene Bereiche, deren Zugang von Plattformbetreibern kontrolliert wird. Diese betonen ihre Innovationsoffenheit, Kritiker befürchten jedoch neue digitale Mauern. Wird es vor diesem Hintergrund auch in Zukunft möglich sein, dass Unternehmen unabhängig Produkte entwickeln können oder müssen sie sich Vorgaben machen lassen?

Wesentlich für den innovationsfördernden Charakter des Internets sind breiter Zugang und große Nutzungsfreiheit. Facebook, Google und Apple, aber auch Business-Anbieter wie SAP setzen durch ihre Plattformen häufig quasi-Standards bzw. entscheiden, was im jeweiligen Plattformkontext möglich ist. Das Internet wird so mehr und mehr zu einem Netzwerk digitaler Ökosysteme. Und auch in bestehenden Märkten wie dem Buchmarkt diktieren große Plattformanbieter wie Amazon mehr und mehr, wie die Branche sich entwickelt. Wie lässt sich angesichts dieser Entwicklung, die Innovationsoffenheit des Webs auch in Zukunft maximieren?

Diese Frage steht im Fokus der gemeinsamen Veranstaltung zusammen mit der Experteninitiative “Innovation im Digitalen Ökosystem” des Internet & Gesellschaft Co:llaboratory e.V. (Co:Lab) mit zwei hochkarätigen Gästen:

| Prof. Dr. Urs Gasser, Executive Director, Berkman Center for Internet & Society, Harvard University

| Dr. Jeanette Hofmann, Direktorin, Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft

Diskussionsgrundlage wird unter anderem der Policy Brief der Forschungsgruppe „The Business Web“ mit dem Titel „Schönes neues Internet? Chancen und Risiken für Innovation in digitalen Ökosystemen“ (PDF) sein.

Auf derstandard.at findet sich ein aufschlussreiches Interview mit David Mason, Produktmanager bei Mozilla, über das neueste Projekt der gemeinnützigen Organisation Mozilla: das Mobil-Betriebssystem Firefox OS. Mit Firefox OS ausgestattete Smartphones booten direkt den Browser und arbeiten damit ausschließlich mit offenen Webstandards. Mason berichtet, dass vor allem von Seiten der Mobiltelefonhersteller großes Interesse an dem Projekt besteht, weil sie darin eine Alternative zu den bestehenden, proprietären (Apples iOS) oder halboffenen Systeme (Googles Android) sehen:

Deren Interesse besteht vor allem an dem Konzept eines App-Ökosystem, das so offen wie das Web ist. Einige dieser Unternehmen, finden es sehr schwer mit den abgesperrten Welten von Apple – und in mancherlei Hinsicht – Google umzugehen.

Ziel von Mozilla ist es, mit dem System vor allem auf jenen Märkten wie Brasilien Fuß zu fassen, die noch weit von einer Sättigung mit Smartphones entfernt sind. Für FirefoxOS entwickelte Apps sollen dann gleichermaßen im Browser und auf dem Smartphone laufen.

Obige Aussage zeigt aber auch, dass Akteure auf allen Ebenen mehr und mehr beginnen, in Ökosystemen über das (mobile) Internet nachzudenken.

„Deutschland surft amerikanisch“

Klingt irgendwie seltsam, genauso beginnt aber das durchaus pragmatische Video der Landesanstalt für Medien (lfm) in Nordrhein-Westfalen und trifft den Nagel voll auf den Kopf.

Der durchschnittliche deutsche Internetnutzer verbringt ca. 81% seiner Onlinezeit mit dem Konsum amerikanischer Contentanbieter. Die vier US-Netzgiganten Apple, Google, Facebook und Amazon, kurz „AGfa“ bringen zusammen eine Marktkapitalisierung von ca. EUR 762 Mrd. auf die Waage, das entspricht in etwa der Marktkapitalisierung der 30 deutschen DAX-Konzerne mit insgesamt EUR 784 Mrd. (Stand 04.04.2012). Europäische oder gar deutsche Internetdiensteanbieter verlieren angesichts dieser Entwicklung an Einfluss und Bedeutung im Wettbewerb um digitale Produkte, Dienste und Prozesse. Eine durchaus besorgniserregende Entwicklung.

Es ist zu beobachten, dass die vier genannten digitalen Ökosysteme trotz der unterschiedlichen Geschäftsmodelle, Erlösquellen und Kompetenzen in immer mehr Geschäftsfeldern im direkten Wettbewerb zueinander stehen. Alle haben sie aber dasselbe Ziel: Sie integrieren vielfältige digitale Inhalte, damit die Internetnutzer idealerweise das eigene Ökosystem nicht mehr verlassen müssen. Die Strategie des „walled garden“ geht auch erfolgreich auf. Alle vier sichern sich somit die eigene Marktposition, betreten zunehmend (auch) neue Geschäftsfelder um ihr Wachstum langfristig  auszubauen und setzen eigene Standards (Technologien)  durch. Letzteres sorgt für Lock-In-Effekte und steigende Wechselkosten für die Internetnutzer.

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Bei der Diskussion um die Frage „Wie offen oder geschlossen sollen Internet-Ökosysteme sein?“ wird bis dato zu wenig die Dimension eines innovationsfreundlichen Klimas betrachtet. Er wird angenommen, dass Innovationsfähigkeit und -geschwindigkeit davon abhängen, ob Entwickler von außen auf die technologischen Strukturen eines Ökosystems zugreifen können. Die Verfügbarkeit und Ausgestaltung von APIs können wichtige Hinweise geben, ob die Struktur von Ökosystemen für die Entwicklung von innovativen Anwendungen relevant ist.

Nun wollen wir diese Fragestellungen wissenschaftlich begleiten. Wir freuen uns daher sehr, gemeinsam mit der Universität Kattowitz folgende Umfrage erstellt zu haben und bitten Sie, sich einen kurzen Augenblick Zeit zu nehmen. Mit Ihren Antworten können Sie uns helfen, wichtige Erkenntnisse in dieser Hinsicht zu gewinnen und bedanken uns bereits jetzt für Ihre Teilnahme.

Die Erkenntnisse dieser Befragung werden hier im Blog veröffentlicht.

Direkt zur Umfrage.

„Social Media & Corporate Social Responsibility“ war das Thema der Diskussionsveranstaltung am 22.05.2012 in der stiftung neue verantwortung.

Diskutiert werden sollte der Einfluss von Social Media auf den Bereich Corporate Social Responsibility (CSR). Dabei gab es direkt zu Beginn eine nüchterne Diagnose: „Über den Stand der Social-Media-Aktivitäten bin ich enttäuscht“, so Björn Negelmann, der als Geschäftsführer der N:Sight Research und Partner bei Kongress Media viele Unternehmen und deren Social Media Strategien kennt. Leider erscheint zahlreichen Unternehmen Facebook eher als „Absatzmarkt“ und weniger als Platz für Kommunikation und neue interaktive Formen der Kundenbindung.

Unter den Gästen wurde auch der vielzitierte „Shitstorm“ als einer der Risiken von Unternehmenskommunikation in sozialen Medien genannt – ganz besonders im CSR-Bereich. Als Beispiel dienten die von Greenpeace mitinitiierten Proteste gegen Nestlé rund um die Verwendung von Palmöl in ihren Produkten. Volker Gassner, Teamleiter Presse, Recherche und Neue Medien bei Greenpeace widersprach und schlug vor, eher von einem Meinungssturm als von einem Shitstorm zu sprechen.

Denn das Risiko eines Shitstorms sah Volker Gassner nicht in unbedingt in den Sozialen Netzwerken. „Kommunikation ist das Problem, nicht Social Media“, so Gassner. Demnach werde sich auch Corporate Social Responsibility durch Social Media verändern. „Vielleicht wird es CSR in Zukunft nicht mehr geben“, so Björn Negelmann. Volker Gassner prophezeite, dass CSR durch Social Media täglich stattfinden wird. Anstelle eines jährlichen und verstaubten CSR-Bericht bedeute das: „Gib uns täglich CSR!“

Bereits im Eröffnungseintrag der Serie „Das ist Ökosystemisierung“ waren die strengen Bestimmungen des Apple App Stores als einzigem Zugangsportal für die iOS-Plattform Thema. Konkret verbot Apple Links auf externe Inhalte.

Im Fall des jüngsten Feature-Verbots geht es um den umgekehrten Fall: die Integration des Micropayment-Dienstes Flattr in iOS-Apps ist ebenfalls nicht erlaubt. T3n berichtet vom Fall der iPad-Podcast-App Instacast HD, die es wegen der Integration von Flattr nicht durch den Apple-Review geschafft hat:

Der Computerkonzern beharrt offenbar auf den Punkt 21.2 in den App-Store-Geschäftsbedingungen. Dort heißt es: „Die Sammlung von Spenden muss über eine Website in Safari oder per SMS geregelt sein.“ In einem Schreiben an Flattr formuliert es der Computerkonzern folgendermaßen: „Wir verstehen, dass die Auslagerung der Spenden außerhalb der App nicht die Nutzerfreundlichkeit darstellt, die Sie Ihren Nutzern bieten wollen. Allerdings ist genau dies der allgemeine Umgang mit Spenden in einer Vielzahl von iOS-Apps.“

Dass das mit Folgen für Kreative verbunden ist, zeigt das Beispiel des Podcasters Tim Pritlove, der mittlerweile substantielle Einnahmen via Flattr erzielt. Jedenfalls ist auch das wiederum ein Beispiel, wie die Präferenz des Plattformbetreibers für den eigenen, mit Einnahmen verbundenen Bezahldienst (In-App-Purchases im Fall von Apple), ein Innovationshindernis für die Etablierung neuer Bezahldienste durch Dritte bedeuten kann. Denn, wie Sascha Lobo so schön formuliert, plattformbasierte Ökosysteme sind eben bestenfalls „geborgtes Internet“.

Der Einsatz von Social Media im Bereich Corporate Social Responsibility steht in Deutschland am Anfang. Oft stellen sich die Verantwortlichen die Frage, ob die Chancen die Gefahren überwiegen. Denn Social Media birgt das Risiko, ein gutes Unternehmensimage binnen weniger Tage stark zu schädigen. Andererseits kann Social Media CSR Initiativen, wie bspw. Hilfsprojekte, Corporate Volunteering und Umweltschutzthemen, teilweise transparenter und glaubwürdiger vermitteln.

Wie also können und sollen Unternehmen Social Media im Bereich CSR einsetzen?  Welchen Nutzen hat CSR-Kommunikation in Social Media? Wie sollen Mitarbeiter reagieren, wenn Kritik oder Krisen auftauchen? Wie können Unternehmensvertreter reagieren, um einen Imageschaden einzugrenzen?

Zu diesen Fragen diskutieren am Dienstag, 22.05.2012 in der stiftung neue verantwortung Volker Gassner, Teamleiter Presse, Recherche und Neue Medien bei Greenpeace sowie Bjoern Negelmann, Geschäftsführer der N:Sight Research und Partner bei Kongress Media. Moderiert wird die Diskussion von Business-Web-Associate Valentina Kerst.

Im Zuge der Debatte um das Anti-Piraterie-Abkommen ACTA hat die Diskussion um das Urheberrecht in der digitalen Gesellschaft eine neue Dimension erreicht. Der sich parallel dazu verdichtenden Reformdebatte fehlt es aber in vielfacher Hinsicht an einer wissenschaftlichen Fundierung. So stellen sich eine Reihe von Fragen, die nicht nur politische Entscheidungen sondern auch wissenschaftliche Untersuchungen erfordern: Wie lässt sich das Urheberrecht mit neuen digitalen Nutzungspraktiken in Einklang bringen? Ist das US-Fair-Use-Prinzip dem europäischen Schrankensystem überlegen? Was lässt sich von den Erfahrungen mit Fair Use in den USA für europäische Urheberrechtsreformen lernen?

Diese Fragen standen im Fokus eines von Jeanette Hofmann, Direktorin am Alexander von Humboldt Institut für Internet und Gesellschaft und mir in Räumen der stiftung neue verantwortung ausgerichteten Workshops zum Thema „Fair Use in Europa? Stand der Forschung und offene Fragen“ am 07. Mai in Berlin. Als Referentin eröffnete mit Pamela Samuelson, Professor of Law and Information Management an der Berkeley Law School & School of Information, University of California, eine der weltweit renommiertesten Forscherinnen im Bereich des Immaterialgüterrechts den Workshop.

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