Archive für Kategorie: Business Web

Open Government hat das Ziel, Politik und Verwaltung gegenüber Bürgern und Wirtschaft zu öffnen. Hierbei spielen drei wesentliche Aspekte eine Rolle: Es geht um Kollaboration, Transparenz und Partizipation. Die Öffnung erfolgt hier einseitig zum Bürger, häufig durch verbesserte Informations- und neuerdings auch Datenbereitstellung (Open Data). Die nächste Stufe ist eine beidseitige Öffnung, bei der es auch Rückkanäle von Bürgern in die Verwaltung gibt: Sie bildet die Grundlage von neuen Formen der Kollaboration und Partizipation zwischen Verwaltung und Bevölkerung. Die Forderungen nach offenem Regierungs- und Verwaltungshandeln, Öffnung von Datenbeständen und aktivem Bereitstellen von Regierungs- und Verwaltungsinformationen über Gesetzestexte und Verordnungen hinaus werden permanent lauter und sind längst keine Randerscheinung mehr.

Das folgende Video auf Vimeo von europeana erklärt „Open Data“

Berlin veröffentlichte jüngst seine Open Data-Strategie. Auf der Website von Offene Daten Berlin heisst es:

Mit dem ersten deutschen, dem Berliner Open Data Portal, erproben wir dies seit September 2011. Inzwischen stehen 58 Datensätze in 16 Kategorien für Recherchen und Apps-Entwicklungen bereit. Nutzen Sie Anwendungen, welche auf den Rohdaten basierend, anschauliche Applikationen bieten oder geben Sie direkt im Suchfeld einen Begriff ein. Unter Interaktion, freuen wir uns über Ihr Feedback oder Hinweise und Diskussionen rund um das Thema Open Data.

Im Auftrag der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung und in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer FOKUS erschien jüngst die Open Data-Strategie von Berlin. Darin werden organisatorische, rechtliche und technische Aspekte offener Daten in Berlin konzeptionell vorgestellt.

Hier gehts zum pdf des Pilotprojekts

Wenn die Öffnung der Verwaltungsprozesse nicht nur unidirektional erfolgt, sondern echte Interaktion ermöglicht, dann sind grundsätzlich vergleichbare Potenziale möglich wie bei Open Innovation – Konzepten für Firmen: das Wertschöpfungsnetz kann intelligenter gestaltet werden, indem das quantitativ viel größere Know-how außerhalb der eigenen (Forschungs-)Wände eingebunden wird. Dadurch können Verwaltungsprozesse beschleunigt und verbilligt werden, was sich auch gesamtwirtschaftlich durch geringe Transaktionskosten bemerkbar machen würde, sobald Open Government in größerem Maßstab eingeführt wird. Berlin setzt hier ein erfreuliches Signal in die richtige Richtung.

Es bleibt zu hoffen, dass aus dieser Bewegung heraus (auch bundesweit) mehr Bottom-Up anstelle von Top-Down Politik entsteht.

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Prof. Dirk Riehle ist nicht nur Deutschlands erster Professor für Open Source an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied im Beirat des Projekts ‚The Business Web‚, sondern bloggt auch regelmäßig unter dirkriehle.com. In seinem jüngsten Blogeintrag widmet er sich dort E-Books und damit einem Thema, das auch in diesem Forschungsprojekt eine große Rolle spielt.

Anlass für seinen Eintrag mit Titel ‚Publishers, E-Books, and DRM‚ war ein Brief (PDF) des Verlags Pearson, in dem dieser die Sicherheit des verwendeten Digital Rights Managements (DRM) anpreist:

Ein ebenso wichtiges Thema ist für uns – wie für Sie – die Sicherheit, dass unsere Inhalte nicht ungeschützt online verfügbar sind. Daher arbeiten wir mit Partnern zusammen, deren Plattformen etwa durch den Einsatz von DRM für diese Sicherheit bürgen.

Bei Riehle sorgte dieser Brief jedoch für weniger Begeisterung. Details finden sich im bereits erwähnten Blogeintrag, ein paar Highlights der Antwort seien aber hier kurz angeführt: Den Rest des Beitrags lesen »

Wenn Tim Carmody auf wired schreibt „Amazon didn’t happen to your local independent bookstore; America happened to your local bookstore”, spricht er davon, dass nicht ein Unternehmen bzw. dessen Erfolg für den vielbeschworenen Untergang stationärer Buchhandlungen in den USA verantwortlich ist, sondern eine ganze Reihe von Faktoren, die aufgrund ihrer Komplexität und Tragweite mit dem Schlagwort „Verdrängungswettbewerb“ nicht zu erfassen sind. Tatsächlich befindet sich der stationäre Buchhandel in den USA zurzeit bekanntlich in einer schweren Krise; der Absatz von Büchern im Internet – seien sie gedruckt oder elektronisch – steigt dagegen stetig.

Dass auch in Deutschland der Online-Buchhandel seit einigen Jahren im Verhältnis zu anderen Vertriebswegen wächst, wird niemanden überraschen. Dabei spielen große Content-Anbieter wie Apple und Amazon natürlich eine wichtige Rolle. Müssen wir deshalb nun ebenfalls das Verschwinden der Buchhandlung um die Ecke fürchten? Bedeutet daher gar die Einführung des E-Book langfristig den Untergang des stationären Buchhandels in Deutschland? Oder haben wir es doch mit einer komplexeren Fragestellung zu tun?

Es gibt durchaus Faktoren, die dafür sprechen, dass die Entwicklung in Deutschland eine andere sein wird als in den USA. Schon das flächendeckende Netz von Buchhandlungen sowie die außerordentlich effiziente Logistik der Großhändler, die Buchhändlern hierzulande zur Verfügung steht, geben ein ganz anderes Bild des stationären Buchhandels ab als dies jenseits des Atlantiks der Fall ist. Im Internet dagegen sind es hier wie dort die US-basierten Content-Plattformen, die den Verbraucher für ihren Shop, ihr Endgerät und ihre Dienste – also für ihr Ökosystem – gewinnen wollen.

Ronald Schild, Geschäftsführer des Branchendienstleisters MVB (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH) sieht eine Entwicklung hin zu geschlossenen Ökosystemen im Contentvertrieb mit Sorge, da er fürchtet, große Teile des Handels könnten ausgeschlossen werden. Zudem beobachtet er einen Trend zur vertikalen Rückwärtsintegration darin, dass Vertriebsplattformen bereits versuchen, die Funktion von Verlagen übernehmen. Beide Entwicklungen, fürchtet er, könnten zu einer Verengung des kulturellen Raums führen:

Wir haben zur Zeit eine Vielzahl von über 20,000 Verlagen und Selbstverlagen, die in Deutschland publizieren sowie rund 5000 Buchhändler. Diese Diversität garantiert kultrelle Vielfalt. Es gibt spezialisierte Buchhändler und Nischenprodukte. Wenn das alles wegfiele, wäre das kulturelle Leben deutlich ärmer. Den Rest des Beitrags lesen »

Am Dienstag, den 20. Dezember 2011 besuchten wir Prof. Steffen Staab, den Gründer und Leiter des Instituts WeST (Web Science and Technologies) an der Universität Koblenz-Landau. Gemeinsam gingen wir der Frage nach, inwieweit das Internet als Netzwerk von Ökosystemen Innovationen im Web beeinflusst und welche Herausforderungen in Hinsicht auf die sog. Ökosystemisierung des Internet  für die Zukunft bestehen.

Prof. Staab sieht in Ökosystemisierung keine Schließung des Netzes vor der breiten Maße von Entwicklern. Facebook und Android gehören ja im klassischen Sinne zu offenen Systemen, obwohl man in ihnen auch Eigenschaften von Ökosystemen erkennen kann. Das Problem liegt seiner Meinung nach darin, dass die Betreiber von solchen Systemen von ihrer Größe überproportional profitieren. Als einen möglichen Grund dafür nannte er fehlende Gesetzgebung, die das Recht auf eigene Daten bestimmen würde. Die Mitnahme eigener Daten aus solchen Systemen sollte deutlich vereinfacht werden. Nur so ist ein offenes Wettbewerb mit den Web-Riesen möglich. Darüber hinaus wies er darauf hin, dass es sich oft aufgrund der zu milden Strafen für die großen Netzbetreiber lohnt, die Datenschutzgesetze zu missachten. Seiner Meinung nach müsste sich diesbezüglich auf der Seite der Gesetzgebung auch Einiges ändern.

In der Internetwelt entstehen immer wieder neue Themen und Begriffe. Einer der neueren ist „The Business Web“ – es zu systematisieren und urbar zumachen ist eines unserer Anliegen. Während mittlerweile jeder Nutzer ein Verständnis von Social Web und Mobile Internet hat, dürfte es für Business Web schon schwieriger sein.

Dennoch hat es das Thema in das Programm des diesjährigen IT-Gipfel geschafft. Der Gipfel findet am 06.12.2011 in München statt. Das Forum 1 steht unter dem Titel „Vom Social Web zum Business Web: Wie gelingt Deutschland der Sprung in die Web-Wirtschaft?“

Allein die Umsätze von Google und Amazon häufen sich auf zusammen 57 Mrd. EUR im Jahr 2010. Damit erwirtschaften zwei Konzerne knapp 50 Prozent dessen, was die Internetbranche in Deutschland gesamt auf die Beine stellt. Ohne Wertung sehen wir, dass der volkswirtschaftliche Nutzen der gesamten Internetwirtschaft enorm hoch ist. Gleichzeitig findet das Gros der Umsätze nicht in Europa und Deutschland statt. Bleibt also die Frage, ob es mit neuen Feldern auch neue Wertschöpfungsketten entstehen, die dann „hier“ verortet werden können, so dass der gesamtwirtschaftliche Vorteil noch weiter gesteigert werden kann.

Vor diesem Hintergrund sind die Leitfragen sehr interessant:

Leitfragen, denen im Micro-Talk von Bundesminister Dr. Rösler mit jungen IT-Unternehmern sowie in der Podiumsdiskussion nachgegangen werden soll sind:

  • Wie verändern sich Wertschöpfungsstrukturen durch das Web? Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Wertschöpfungsketten auf die Industrie?
  • Nutzt die deutsche Wirtschaft diese Chancen? Wie ist Deutschland bei der Nutzung neuer webbasierter Anwendungen aufgestellt?
  • Welche Rolle spielen junge deutsche IKT-Unternehmen? Warum wachsen deutsche IKT-Unternehmen nicht schneller? Gibt es IKT-spezifische Wachstumshemmnisse? Wie können Politik und Wirtschaft dem (im IT-Gipfel) begegnen?
  • Nutzen deutsche Unternehmen bereits die gesamte Bandbreite neuer interner und externer Kommunikationsmöglichkeiten, wie das Social Web oder Apps?

Bleibt zu hoffen, dass auch die Antworten entsprechend aufschlussreich sein werden…

Eines der wichtigsten Schlagworte innerhalb der Fragestellung, wie wirtschaftliche Akteure durch ihre Unternehmensstrategien das Internet beeinflussen, ist zweifellos “Offenheit”. Dieses Stichwort aufgebracht, sind einfache Bewertungen oft schnell bei der Hand: offene Systeme sind gut, geschlossene Systeme sind schlecht. Das angeblich so geschlossene iUniversum katapultierte Apple gleichwohl binnen 10 Jahren zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Der Erfolg scheint dem Unternehmen also Recht zu geben – und mit ihm der Erfolg komplementärer Angebote: der  Umsatz mit digitaler Musik steigt von Jahr zu Jahr und auch mit Drittprogrammen für diese Geräte lässt sich offenbar Wertschöpfung betreiben.

Startet ein System als offenes, stehen häufig intrinsische Motive im Vordergrund. Rückt jedoch irgendwann die eigene Gewinnmaximierung in den Fokus, muss sich jeder Wirtschaftsteilnehmer fragen, wie er sich ein Alleinstellungsmerkmal schafft. Ein häufig wesentlicher Faktor dafür ist Exklusivität und damit den Ausschluss von potenziellen Wettbewerbern im Kerngeschäft. Den Grad der dann noch an den Tag zu legenden Offenheit eines Geschäftsmodells festzusetzen, ist eine große Herausforderung, insbesondere wenn es sich wie in der Welt von Amazon, Apple und Google über verschiedene Stufen der Wertschöpfungskette erstreckt.

“For a start, the distinction between open and closed is fuzzy.”

So beginnt der Economist eine Analyse anlässlich der Einführung von Amazons Kindle Fire. Das ist eine vielleicht banal anmutende, aber wichtige Ausgangsfeststellung. So offen oder geschlossen wie manche Ökosysteme auf den ersten Blick erscheinen, sind sie nämlich zumeist gar nicht. Eine tiefer greifende Analyse geht Boston Consulting im Auftrag des amerikanischen Telekommunikationsunternehmens Liberty Global an. Einige der Ergebnisse sind ebenfalls überraschend naheliegend, können einer häufig verklärten und verallgemeinernden Diskussion um Offenheit und ihren Wert jedoch noch wertvolle Impulse vermitteln:

  • The notion that everything that is open brings benefits to consumers, markets and the economy at large, while closed has a negative effect does not hold.
  • Most systems that are viewed as open frequently have significant closed elements to them.
  • […] business models employ a mixture of more open and more closed elements, where the most important strategic assets are often the most closed ones.
  • Companies dynamically adjust the openness levels of their assets […]

Die Analysten von Boston Consulting richten sich mit ihren Ausführungen maßgeblich an politische Entscheidungsträger, denen sie empfehlen bei regulatorischen Entscheidungen einen ganzheitlichen Maßstab anzulegen und insbesondere verschiedene Stufen von Wertschöpfungsketten und deren jeweilige Notwendigkeiten zu betrachten. Jedoch dürften sich auch Unternehmen in dieser differenzierten Aufschlüsselung bestätigt sehen, wenn sie die Kronjuwelen, aus denen die eigene Marktstellung resultiert, möglichst geschlossen halten, sich aber an allen möglichen Stellen bewusst für komplementäre Wertschöpfung öffnen.

Google lädt am 24.11.2011 zum DatenDialog in die Berliner Kalkscheune ein. Für viele könnte die vermeintliche Wandlung vom Saulus zum Paulus auf größeres Interesse stoßen (zumindest in einer vagen externen Betrachtung). Auf jeden Fall ist die gebotene Bühne so attraktiv, dass man über bestehende unterschiedliche Sichtweisen kurz hinwegblickt. Alles in allem unstrittig ist die Bedeutung des Themas Datenschutz für alle Bereiche der digitalen Welt.

Chancen, Risiken und Lösungen rund um das Thema Daten und Privatsphäre im Internet sowie die jeweilige Verantwortung der einzelnen Akteure beschäftigt Nutzer und Netzwirtschaft, Politik und Datenschützer wie kaum ein anderes netzpolitisches Thema.

Hiermit laden wir Sie herzlich ein, an unserer eintägigen interaktiven Veranstaltung „DatenDialog“ teilzunehmen und zusammen mit hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Regulierung und Zivilgesellschaft diese zentrale gesellschaftliche Frage vor allem praxisnah zu diskutieren.

Ein Blick auf die Agenda wirft allerdings am Ende die Frage auf, wie Datenschutz international harmonisiert werden kann. Letztlich können wir alles tun, Nutzer aufklären, Produkte einfacher erklären, Politikern das Internet erklären, aber wenn es nicht gelingt eine (möglichst) weltweite verbindliche Regelung für den Datenumgang zu treffen, wird es immer wieder Insellösungen geben, hinter die sich entweder Anbieter oder auch Nutzer zurückziehen können.

Aber vielleicht gibt der Workshop 3 unter dem Titel „Ansätze zu einer modernen Datenschutzregulierung – Neue Regeln für eine neue Datenwelt?“ passende Antworten.

(Thomas Schauf)

Oliver Leistert und Theo Röhle haben jüngst das Buch Generation Facebook – Über das Leben im Social Net herausgegeben. Mehrere Essays analysieren Facebook auf Herz und Nieren. Das Buch liefert m. E. eine kritische Auseinandersetzung mit Themen wie wirtschaftliche Partikularinteressen, politisches Potential, automatisierte Analyse-Tools, Privacy, Branding, Medienkompetenz, etc. So schreibt beispielsweise einer der Autoren (Mark Andrejevic) folgendes:

Wenn es den Anschein hat, dass Facebook Elemente der traditionellen Gemeinschaft wiederbelebt und verbessert, indem es Menschen ermöglicht, Netzwerke aus Klatsch, Gesprächen und Interaktionen zu erhalten und zu erweitern, dann geschieht dies unter Bedingungen, die von Marketing und Kommerz diktiert werden. Und diese Bedingungen stehen im offenen Widerspruch zum bürgerlichen Recht auf Privacy.“

Facebook wird bald eine Milliarde Nutzer zählen, d.h. dann werden sich ca. 1/7 der Weltbevölkerung auf den (geschlossenen) Facebook-Kanälen tummeln. Es bleibt abzuwarten, ob die Nutzer die wirtschaftlichen Interessen des Gründers früher oder später hinterfragen oder ob sie weiterhin freiwillig persönliche Daten, Informationen und Bilder/Videos von sich preisgeben werden. Diese Daten, Informationen und Bilder/Videos sind für viele Unternehmen viel Geld wert.

Facebook geniesst einen starken Lock-In-Effekt und wird wohl noch längere Zeit von den economies of scale profitieren. Die Herausforderung, eine kritische Masse zum Wechseln zu bewegen, wird für alternative Social Media Plattformen wie beispielsweise Diaspora ziemlich gross sein.

Aber, so Leistert und Röhle

„[.] könnte sich am Ende doch noch herausstellen, dass Facebook nicht das Ende der Internetgeschichte war, sondern nur eine (wenn auch vielbefahrene) Sackgasse.

(thomas dapp)

Es ist mehr als ein Sturm im Wasserglas: Google plant ein eigenes Glasfaser-Projekt in Europa. Auch wenn noch keine Details bekannt geworden sind, trägt die folgende Aussage einiges an Brisanz in sich:

During a meeting at the French Industry Ministry, Drummond said that Google was ‚looking very closely‘ at a potential project in Europe, without specifying where this project would be launched or when.

Seit Jahren wird gefordert, dass endlich die weißen Flächen in Deutschland und Europa mit Internet versorgt werden. Viele gehen davon aus, dass LTE-Mobilfunknetze diese Lücken zufriedenstellend schließen wird. Aber unabhängig davon, ob, wie und wann eine ausreichende Versorgung in Europa gegeben ist, irritiert es doch, dass Google sich gerade in Europa engagieren will. Nicht die eigentliche Meldung, dass Google außerhalb der USA zum Internet Service Provider (ISP) werden möchte ist relevant, sondern es stellt sich die Frage: Warum in Europa?

Vielleicht gibt folgende Aussage eine Antwort:

But it also has ISPs that filter content on behalf of copyright holders and those that seek to get providers like Google to pay for the privilege of accessing the end consumer.

Natürlich gibt es unterschiedlichste Gründe, warum Google sein eigenes Netz aufbauen will. Interessant ist der Gedanke dennoch: Wenn also Verlage und Verwertungsgesellschaften gemeinsam mit den bisherigen ISPs dafür Sorgen wollen, dass Google für den Transport der Inhalte zahlen soll, dann verwundert der Gedanke nicht, dass Google sich unabhängig macht und damit selbst zum ISP wird. Es wird allerdings spannend sein, wie sich das Thema Netzneutralität in solch einer neuen Marktsituation entwickeln wird.

Kommt nun die neue Generation von ISPs auf den Markt? In den USA benötigte Google für sein Projekt in Kansas City etwa zwei Jahre. Diese Erfahrung wird dazu führen, ein Projekt in Europa deutlich schneller zu realisieren. Es wäre mehr als wünschenswert, dass in Zukunft Unternehmen, Schulen, Verwaltungen – also die gesamte Gesellschaft – vom schnellen Internet profitieren kann. Und vielleicht ist diese Meldung der notwendige Ruck, damit etablierte ISPs und Inhalteanbieter deutlich intensiver in den weiteren Ausbau ihrer Infrastruktur bzw. Geschäftsmodelle investieren, statt sich und die Politik mit Nebelgefechten aufzuhalten.

(valentina kerst)

[Update] In der letzten Woche ist Google Fiber in Kansas an den Start gegangen[/Update]

Den besseren Titel für einen Eintrag zu diesem Thema hatte bereits Nico Lumma weggeschnappt: „Vom Internet zum Netzwerk der Ökosysteme„. Anlässlich der Vorstellung von Amazons neuem Tablet „Kindle Fire“ (siehe obiges Video) skizziert Lumma, wie sich das Internet durch die Dominanz von Plattformen in immer mehr Bereichen verändert:

Das Interessante ist doch, daß Google, Facebook, Amazon und Apple gigantische Ökosysteme geschaffen haben, die Wertschöpfung im Zentrum haben, aber durch Schnittstellen mehr oder weniger offen nach Außen hin sind. […] Diese neuen Ökosysteme sorgen dafür, daß sie große Zahlen von Nutzern an sich binden, dann bieten sie Dritten den Zugang zu diesen Nutzern an und profitieren dadurch, entweder weil Dritte von den Nutzern gewollte Dienstleistungen erbringen oder Inhalte liefern, oder schlicht weil Dritte für den Zugang zu den Nutzern bezahlen.

Für Unternehmen ist mit dieser Entwicklung verbunden, dass sie es ohne Zugang zu einem dieser Ökosysteme immer schwerer haben werden, potentielle Kunden zu erreichen. Aus Nutzerperspektive ist mit diesen Ökosystemen eine Vereinfachung verbunden. Lumma:

Der Computer mit seinem Betriebsystem wird immer weniger sichtbar, sondern das Ökosystem steht im Vordergrund. Die Einfachheit ist allerdings verbunden mit einer engeren Verknüpfung mit einem Ökosystem und es wird in Zukunft immer schwieriger werden, sich aus dem Lock-In eines Ökosystem zu befreien, weil es eben so schön praktisch und einfach ist.

Am Ende seines Beitrags drückt Lumma seine diesbezügliche Skepsis in Form einer, wenn nicht der entscheidenden Frage bezüglich der Zukunft des Internets aus: „Schöne neue Welt?“ Den Rest des Beitrags lesen »