Archive für Kategorie: Buchmarkt

Prof. Dirk Riehle ist nicht nur Deutschlands erster Professor für Open Source an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied im Beirat des Projekts ‚The Business Web‚, sondern bloggt auch regelmäßig unter dirkriehle.com. In seinem jüngsten Blogeintrag widmet er sich dort E-Books und damit einem Thema, das auch in diesem Forschungsprojekt eine große Rolle spielt.

Anlass für seinen Eintrag mit Titel ‚Publishers, E-Books, and DRM‚ war ein Brief (PDF) des Verlags Pearson, in dem dieser die Sicherheit des verwendeten Digital Rights Managements (DRM) anpreist:

Ein ebenso wichtiges Thema ist für uns – wie für Sie – die Sicherheit, dass unsere Inhalte nicht ungeschützt online verfügbar sind. Daher arbeiten wir mit Partnern zusammen, deren Plattformen etwa durch den Einsatz von DRM für diese Sicherheit bürgen.

Bei Riehle sorgte dieser Brief jedoch für weniger Begeisterung. Details finden sich im bereits erwähnten Blogeintrag, ein paar Highlights der Antwort seien aber hier kurz angeführt: Den Rest des Beitrags lesen »

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Bei Telepolis schildert Peter Köllner anschaulich und ausführlich seine Erlebnisse beim Versuch, seine Bibliothek gegen E-Books am Kindle zu tauschen („Adieu, Kindle“). Seine Probleme begannen, als er nicht nur im amerikanischen sondern auch im spanischen Amazon-Store einkaufen wollte. Im Unterschied zu herkömmlichen Büchern und Zeitschriften entpuppte sich dabei das Eigentum an ihren elektronischen Pendants als weit weniger dauerhaft:

Kurz darauf öffnete Amazon seinen Shop in Spanien, wo ich auch relativ schnell ein paar spanischsprachige Werke fand, die mich interessierten und die es bei Amazon.US nicht zu kaufen gab. Wenn man mit einem in den USA registrierten Kindle in einem der anderen nationalen Amazon-Läden etwas kaufen will, dann bekommt man als erstes eine Dialogbox serviert, die einen darüber aufklärt, dass man zum Kauf irgendwelcher eBooks dort seinen Kindle zu eben diesem Laden umregistrieren muss. Wenn man dem zustimmt, sieht man eine zweite Informationsbox, die einen darüber informiert, dass man damit sämtliche vorhandene Subskriptionen beendet – und zwar einschließlich des Rechts, auf zurückliegende Ausgaben zuzugreifen. Das fand ich einen geradezu haarsträubenden Eingriff in meine informationelle Freiheit – und das habe ich natürlich abgelehnt.

Ein Wechsel des Amazon Stores killt also die digitale Bibliothek. Nicht gerade rosige Aussichten. Interessant auch die Auszüge aus der Korrespondenz mit dem Amazon Kundendienst, die Köllner in seinem Artikel präsentiert:

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Wenn Tim Carmody auf wired schreibt „Amazon didn’t happen to your local independent bookstore; America happened to your local bookstore”, spricht er davon, dass nicht ein Unternehmen bzw. dessen Erfolg für den vielbeschworenen Untergang stationärer Buchhandlungen in den USA verantwortlich ist, sondern eine ganze Reihe von Faktoren, die aufgrund ihrer Komplexität und Tragweite mit dem Schlagwort „Verdrängungswettbewerb“ nicht zu erfassen sind. Tatsächlich befindet sich der stationäre Buchhandel in den USA zurzeit bekanntlich in einer schweren Krise; der Absatz von Büchern im Internet – seien sie gedruckt oder elektronisch – steigt dagegen stetig.

Dass auch in Deutschland der Online-Buchhandel seit einigen Jahren im Verhältnis zu anderen Vertriebswegen wächst, wird niemanden überraschen. Dabei spielen große Content-Anbieter wie Apple und Amazon natürlich eine wichtige Rolle. Müssen wir deshalb nun ebenfalls das Verschwinden der Buchhandlung um die Ecke fürchten? Bedeutet daher gar die Einführung des E-Book langfristig den Untergang des stationären Buchhandels in Deutschland? Oder haben wir es doch mit einer komplexeren Fragestellung zu tun?

Es gibt durchaus Faktoren, die dafür sprechen, dass die Entwicklung in Deutschland eine andere sein wird als in den USA. Schon das flächendeckende Netz von Buchhandlungen sowie die außerordentlich effiziente Logistik der Großhändler, die Buchhändlern hierzulande zur Verfügung steht, geben ein ganz anderes Bild des stationären Buchhandels ab als dies jenseits des Atlantiks der Fall ist. Im Internet dagegen sind es hier wie dort die US-basierten Content-Plattformen, die den Verbraucher für ihren Shop, ihr Endgerät und ihre Dienste – also für ihr Ökosystem – gewinnen wollen.

Ronald Schild, Geschäftsführer des Branchendienstleisters MVB (Marketing- und Verlagsservice des Buchhandels GmbH) sieht eine Entwicklung hin zu geschlossenen Ökosystemen im Contentvertrieb mit Sorge, da er fürchtet, große Teile des Handels könnten ausgeschlossen werden. Zudem beobachtet er einen Trend zur vertikalen Rückwärtsintegration darin, dass Vertriebsplattformen bereits versuchen, die Funktion von Verlagen übernehmen. Beide Entwicklungen, fürchtet er, könnten zu einer Verengung des kulturellen Raums führen:

Wir haben zur Zeit eine Vielzahl von über 20,000 Verlagen und Selbstverlagen, die in Deutschland publizieren sowie rund 5000 Buchhändler. Diese Diversität garantiert kultrelle Vielfalt. Es gibt spezialisierte Buchhändler und Nischenprodukte. Wenn das alles wegfiele, wäre das kulturelle Leben deutlich ärmer. Den Rest des Beitrags lesen »