In seinem Kommentar „Von Abstaubern und »Enablern«“ auf http://www.boersenblatt.net steuert Michael Roesler-Graichen einen Beitrag zur aktuellen Debatte bei, der einmal dem Begriff des „Verwerters“ im Zusammenhang mit der Leistung von Buchverlagen nachgeht. Er zeigt zunächst auf, wie polarisierend der Begriff allein wirken kann:

»Verwerter«! Was für ein hässliches, unelegantes, eben nicht neutrales Wort! Es hat den Charme von Abfallverwertung und liefert nur ein Zerrbild dessen, was ein Verleger tut. Aber im Streit um das Urheberrecht ist die Vokabel bestens dazu geeignet, einen Keil zwischen Autoren und Verlage zu treiben.

Der Autor beschreibt dann sehr schön, was Verlage tun, um Buch zu „machen“, also ein Werk an den Leser zu bringen. Dabei charakterisiert die Branche als „Partner, Förderer – oder, pointiert englisch: »Enabler«, Möglichmacher“.

Im Zuge seiner Begriffsanalyse schlägt er schließlich einen sehr interessanten Bogen zum Thema Ökosystemisierung. Während es im Juristendeutsch natürlich richtig ist, dass Verlage Nutzungsrechte an urheberrechtlich geschützten Werken verwerten – und damit im Idealfall nicht nur (hoffentlich) Geld verdienen, sondern auch kulturelle Werte schaffen – sind es heute eigentlich andere, die die Inhalte im Wortsinn verwerten oder besser gesagt ausschlachten. Es sind digitale Ökosysteme, die Kultur und Wissen zu Geld machen:

»Verwerter« im eigentlichen Sinn sind hingegen die großen »Player«, die Content aggregieren, um ihre Suchmaschinen und Anzeigenprogramme zu schmieren.  … Die Googles, Facebooks und Yahoos dieser Welt … sind richtig gute »Chancenverwerter«

Dabei handelt es sich um eine andere Art der Verwertung als die durch Rechteinhaber wie Verlage: Hier fehlt sowohl das Nutzungsrecht, das der Urheber des Werks übertragen hätte, als auch jegliche Investition in Entstehung und Veredelung des Inhalts. Von Urhebervergütung natürlich ganz zu schweigen! Vielmehr nutzen die Geschäftsmodelle der Ökosystembetreiber das Interesse ihrer Nutzer an den Inhalten anderer geschickt, um ihre eigenen Angebote überhaupt attraktiv zu machen. Das mag man als „kreativ“ im Sinne erfolgreicher Geschäftsmodelle ansehen – in Wirklichkeit wird die Kreativität anderer gewinnbringend für eigene Zwecke genutzt.

Daher plädiere ich mit Roesler-Graichen für eine Veränderung der Begrifflichkeiten in der Urheberrechtsdebatte. Der gesellschaftliche Beitrag der Akteure sollte sich in ihrer Bezeichnung wiederfinden, statt unterschlagen zu werden. Mit etwas Glück kommen wir dann auch zu einer Versachlichung des Diskurses… schließlich stirbt die Hoffnung zuletzt!