Vor einiger Zeit konnte ich Dr. Till Kreutzer für ein Interview gewinnen. Es geht um die Forderung eines Leistungsschutzrechts für Verlage zur Verbesserung des Schutzes von Presseerzeugnissen im Internet. Noch immer ist ungewiss, wie die dritte Urheberrechtsnovelle aussehen soll. Jüngst tagte der Koalitionsausschuss und einigte sich darauf, dass künftig kommerzielle Nachrichtenportale im Internet eine Abgabe an Presseverlage zahlen müssen, wenn sie deren Artikel in ihr eigenes Angebot einbinden.

Zu der Frage inwiefern er die aktuelle Diskussion rund um die Forderung eines Urheberrechts für die Belange des digitalen Zeitalters und insbesondere die Forderung nach einem zusätzlichen Leistungsschutzrecht beurteilt bzw. inwiefern diese Forderungen im Verhältnis zu den befürchteten (volkswirtschaftlichen) Schäden, die den Interessengruppen durch illegale Downloads bzw. Piraterie im Netz stehen, antwortete er u.a.:

[…] Das Problem ist [.], dass das Leistungsschutzrecht weit über den Schutz hinausgeht, den das Urheberrecht bietet. Es soll nicht erst bei Übernahme ganzer Artikel oder wesentlicher Teile greifen, sondern bereits, wenn sehr kleine Teile übernommen werden. Solche „Snippets“ können schon einzelne Formulierungen, Überschriften oder ähnliches sein. Ein solches Gesetz würde den Schutzbereich des „Geistigen Eigentums“ in Bezug auf die Verwendung der deutschen Sprache enorm ausweiten. Es wäre eine Maßnahme, die den weithin kritisierten Status Quo – ein in
manchen Belangen deutlich zu weit gehendes Urheberrecht – perpetuiert. Empfindliche Beeinträchtigungen bei der Verwendung der deutschen Sprache sowie der (gewerblichen) Kommunikation über das Netz wären die Folge. Die Forderung nach einem Leistungsschutzrecht für Presseverlage liefe einem gerechten
Interessenausgleich deutlich zuwider, da es lediglich die Interessen einiger weniger Unternehmen schützt und dabei wesentliche Freiheiten aller anderen massiv beeinträchtigt. Daher lehne ich es, genauso wie ein Großteil der deutschen Wirtschaft, der freien Journalisten, der Blogosphäre und – wie sich mittlerweile herausgestellt hat – auch einiger Presseverlage selbst, ab.

Hier der Link zum gesamten Interview: