Archive für den Monat: April, 2012

Anfang der Woche durfte ich auf Sat1 als Ersatz für die erkrankte Anke Domscheit-Berg bei der Talk-Show “Eins gegen Eins” mitdiskutieren zum Thema “Musik, Filme, Fotos – Sind im Internet zu viele Diebe unterwegs?” Die Sendung funktioniert so, dass die Saalzuschauer vor Beginn der Sendung über die titelgebende Frage abstimmen und dann am Ende nach der Diskussion noch einmal.

Weitere Diskutanten waren Tobias Künzel (“Die Prinzen” und Mitglied des GEMA-Aufsichtsrats), Medienanwalt Prof. Jan Hegemann und der musikproduzierende Pirat Bruno Kramm. Gemeinsam mit Kramm habe ich dort die titelgebende Frage verneint. Unser Argumente dürften dabei durchaus überzeugend gewesen sein, denn das Meinungsbild der Saalzuschauer sah am Ende der Sendung etwas anders aus als vor Beginn der Sendung:

Derzeit gibt es die Sendung noch zum Nachsehen in der Sat1-Mediathek.

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Thomas Schauf, Associate im Projekt „The Business Web“ und Senior Fachgruppenmanager beim Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) e.V., hat zum Stichwort „Ökosystemisierung“ einen spannenden Policy Essay vorgelegt: „Das Internet als Netzwerk von Ökosystemen: Weniger Offenheit, mehr Konzentration?“ In der Zusammenfassung heißt es dazu:

Das Internet wird immer für sein innovationsförderndes Potential, seine Offenheit gerühmt. Was aber heißt Offenheit, wenn mehr und mehr Services in die Cloud wandern? Oder eben nicht in „die“ Cloud, sondern in viele, privatisierte Clouds, die vielleicht gar nicht miteinander kompatibel sind. Welche Folgen hat es für Innovation, wenn aus dem Internet ein Netzwerk von plattformbasierten Ökosystemen wird, in dem Plattformbetreiber die Spielregeln vorgeben? Mit dem Stichwort der „Ökosystemisierung“ versucht dieses Policy Paper diese Entwicklung des Internets zu skizzieren.

Das Papier als PDF-Download verfügbar.

 

 

Die Debatte um die Dominanz mehr oder weniger geschlossener Ökosysteme im Internet erreicht den medialen Mainstream. Spiegel-Online-Blogger Sascha Lobo bedient sich zur Vermittlung des Phänomens, das hier etwas sperrig als „Ökosystemisierung“ bezeichnet wird, sprachbildlich bei der Umweltbewegung und meint: „Euer Internet ist nur geborgt„. Zum Einstieg liefert er gleich ein schön anschauliches Beispiel für Ökosystemisierung, wie sie auch Thema dieser Serie sind:

Ende Februar 2012 versucht ein Mitarbeiter von muenchen.de, dem offiziellen Portal der Stadt München, die eigene Facebook-Seite zu erreichen, die bis dahin unter facebook.com/muenchen zu finden war. Erfolglos. Die Seite war ohne Vorwarnung gesperrt worden. Die fast 400.000 Fans der Seite – mit einem Mal so unerreichbar wie das Internet im ICE zwischen Hamburg und Berlin.

Lobos Lösungsvorschlag – ein Loblied auf den eigenen Blog, die eigene Webseite – scheint jedoch ebenso richtungsweisend wie er unerhört bleiben wird:

[D]en Rahmen für diese digitale Gesellschaft setzen bisher nicht diejenigen, die er betrifft, sondern die Aktionäre einer handvoll kalifornischer Konzerne. Und das wiederum ist die Schuld derjenigen, die Internet sagen und Social Networks meinen, die nicht bemerken, dass sie auf Facebook, Twitter und Google Plus nur zu Gast sind. Der Weg vom Netzkonsumenten zum mündigen Digitalbürger führt nur über eine selbstkontrollierte Web-Seite, alles andere ist unterhaltsames, nützliches, schmückendes Beiwerk.

Zu bequem ist der Komfort, den plattformbasierte Ökosysteme liefern, als das eine Massenbewegung hin zu Blogs zu erwarten ist. Bleibt die Frage, was an staatlicher und privater Regulierung sinnvoll und notwendig ist, um ein Mindestmaß an Offenheit und Freiheit auch im Netzwerk der Ökosysteme zu erhalten?

Lieblingsbeispiel (auch auf diesem Blog, vgl. „Link-Verbot in der iPhone-App„)  für die Gefahren (allzu) restriktiver Vorgaben durch einen Plattformbetreiber im Kontext von digitalen Ökosystemen ist Apple und dessen iOS-Plattform. Das Problem bei dieser Argumentation ist allerdings immer, dass es schwer ist zu belegen, welche Innovationen durch die engen Vorgaben gerade nicht passieren.

Eine Ahnung, welche Folgen mit zu geschlossener, unflexibler Plattformgovernance verhindert werden kann, verschafft jetzt folgendes Video, das 100 Gründe präsentiert, warum es Sinn machen könnte, bei seinem iPhone einen Jailbreak durchzuführen:

 

Auch das ist Ökosystemisierung.