Archive für den Monat: März, 2012

Im Musikmarkt hat mit Apple / iTunes ein geschlossen wirkendes System seinen Siegeszug angetreten. Andere Plattformen haben sukzessive an Marktanteil verloren. Was sind Voraussetzungen für erfolgreiche Geschäftsmodelle und was kann man daraus für den E-Book-Markt lernen?

Wir haben dazu Tina Rodriguez befragt. Sie leitete von 2000 bis 2004 bei Sony Music Entertainment als Director eMedia & New Technologies die Aktivitäten von Sony Music im Internet und mobilen Markt in Deutschland, Schweiz und Österreich. 2005 wechselte Rodriguez als Head Of Music zur Vodafone D2 GmbH. Hier führte sie das Produktmanagement-Team und verantwortete den Markterfolg aller graphischen und Musikprodukte. Seit 2007 bietet sie mit „Digitale Medien Beratung“ strategische Beratung und Projektmanagement im Online und Mobile Entertainment Markt. Nach Veröffentlichungen zum digitalen Musikmarkt publizierte sie zuletzt mit www.literaturverkaufen.de ein Memorandum zu den Herausforderungen der Buchwirtschaft im digitalen Wandel.

Ähnlich wie jetzt im E-Book-Geschäft hat auch im Musikmarkt mit iTunes ein geschlossenes Ökosystem den Markt bereitet. Was sind die Gründe dafür?

Tina Rodriguez: Musik hören am PC war seinerzeit noch kein primärer Use Case. Aber Musik hören unterwegs, vom MP3 Player, das war eine recht weit verbreitete Nutzung. Im Musikmarkt war das Endgerät – der iPod – lange vor dem Downloadangebot von iTunes am Markt und ein erfolgreiches Abspielgerät. Die Musik kam – im Idealfall – von den auf dem PC abgespeicherten Musik-CDs. Diese Musiksammlung und deren Übertragung auf den iPod haben die meisten Nutzer nicht mit dem Dateimanager verwaltet, sondern mit der mitgelieferten Software iTunes. Mit anderen Worten: Das Gerät war schon verbreitet, die Software schnell installiert, dann erst wurde der iTunes Music-Shop in das bestehende Ökosystem hineingesetzt. Dessen Bedienung war einfach und intuitiv: Man musste keine ganze CD mehr kaufen, sondern konnte die besten Songs raussuchen. Kein Warten auf den Amazon-Kurier oder den nächsten Besuch beim Mediamarkt. CD-Rippen war nicht mehr notwendig. Keine lästige Eingabe der Kreditkarten-Details mehr (sobald man einmal mit den nötigen Daten registriert war) – einfach „klick“ und der Song ist gekauft. Nochmal „klick“ und er ist fertig zum mitnehmen. Jeder eCommerce-Anbieter weiß: eingesparte Klicks sind Geld wert, je kürzer der Klickpfad zum Kauf ist, um so mehr Umsatz macht ein Produkt. Den Rest des Beitrags lesen »

Expertenlunch zum Thema „Netzneutralität und Innovation im Internet“ am 23.03.2012

Was das Internet so attraktiv macht, ist die große Vielfalt an Internet-basierten Anwendungen. Ein wachsender Anteil dieser Anwendungsvielfalt baut jedoch auf einigen, wenigen Plattformen großer Intermediäre wie Apple, Google oder Facebook auf, die dafür Zugangsregeln festlegen. Parallel zu dieser Entwicklung auf der Anwendungsebene, wird auf technologischer Ebene Netzneutralität im Gegensatz zu der Einführung von Qualitätsklassen diskutiert. Sollen Plattformbetreiber die Möglichkeit haben, eine bevorzugte Behandlung ihres Internet-Traffics zu erwerben? Im Kern geht es dabei also um die Frage nach der Grenze eines angemessenen Traffic-Managements. Und davon abgeleitet: Fördert die Einführung derartiger Qualitätsklassen für Datentraffic im Netz Innovation oder wirken diese eher als Innovationsbremse?

Diese Fragen stehen im Fokus des BERLIN CIRCLE Expertenlunchs zum Thema „Monokultur oder Artenvielfalt?“ mit leckerer Pizza und drei hochkarätigen Diskussionspartnern:

  • Dirk Heitepriem, Research in Motion, Manager Governement Relations
  • Constanze Kurz, Chaos Computer Club und sachverständiges Mitglied der Enquete Kommission Internet und digitale Gesellschaft
  • Mark Konarski, BITKOM, AK Telekommunikationspolitik

Anmeldung ist via E-Mail erforderlich.

Der Koalitionsgipfel hat am Sonntag Abend getagt. Ein Thema war das sog. „Leistungsschutzrecht für Presseerzeugnisse“, das CDU, CSU und FDP bald einführen wollen und das BILD.de als Verbesserung des Urheberrecht im Internet feiert. Jedoch stellt das Leistungsschutzrecht die Grundsätze des Internets auf den Kopf und ist nichts anderes als eine sprudelnde Geldquelle für große Zeitungsverlage, die mit kostenlosen (!) Artikeln doppelt kassieren: mit der Werbung und durch eine Gesellschaft, die für sie Geld einsammelt. Den Rest des Beitrags lesen »