Bei Telepolis schildert Peter Köllner anschaulich und ausführlich seine Erlebnisse beim Versuch, seine Bibliothek gegen E-Books am Kindle zu tauschen („Adieu, Kindle“). Seine Probleme begannen, als er nicht nur im amerikanischen sondern auch im spanischen Amazon-Store einkaufen wollte. Im Unterschied zu herkömmlichen Büchern und Zeitschriften entpuppte sich dabei das Eigentum an ihren elektronischen Pendants als weit weniger dauerhaft:

Kurz darauf öffnete Amazon seinen Shop in Spanien, wo ich auch relativ schnell ein paar spanischsprachige Werke fand, die mich interessierten und die es bei Amazon.US nicht zu kaufen gab. Wenn man mit einem in den USA registrierten Kindle in einem der anderen nationalen Amazon-Läden etwas kaufen will, dann bekommt man als erstes eine Dialogbox serviert, die einen darüber aufklärt, dass man zum Kauf irgendwelcher eBooks dort seinen Kindle zu eben diesem Laden umregistrieren muss. Wenn man dem zustimmt, sieht man eine zweite Informationsbox, die einen darüber informiert, dass man damit sämtliche vorhandene Subskriptionen beendet – und zwar einschließlich des Rechts, auf zurückliegende Ausgaben zuzugreifen. Das fand ich einen geradezu haarsträubenden Eingriff in meine informationelle Freiheit – und das habe ich natürlich abgelehnt.

Ein Wechsel des Amazon Stores killt also die digitale Bibliothek. Nicht gerade rosige Aussichten. Interessant auch die Auszüge aus der Korrespondenz mit dem Amazon Kundendienst, die Köllner in seinem Artikel präsentiert:

When you migrate from Amazon.com to Amazon.es, your kindle subscriptions on Amazon.com will be canceled as the subscriptions are bound to the device you register on our website. Since the subscriptions won’t get delivered to the device, they get canceled automatically.
I wanted to let you know that once you migrate from Amazon.com to Amazon.es and if you migrate back to Amazon.com, you won’t be able to migrate to Amazon.es again.

Dieses Beispiel ist deshalb so instruktiv für Ökosystemisierung auch über den Fall Amazon hinaus, weil es ein Phänomen illustriert, das viele plattformbasierte Ökosysteme auszeichnet: sie können für ein Comeback von Ländergrenzen im vermeintlich globalen Web sorgen. Denn häufig sind Ökosysteme durchzogen von Zäunen, die sich an nationalen Grenzen orientieren.

Freilich muss das nicht immer die Schuld der Plattformbetreiber sein. Manchmal, wie beispielsweise im Fall von gesperrten Videos auf YouTube, werden diese künstlichen Grenzen von Rechteinhabern gezogen; entweder, weil die an geographischer Preisdifferenzierung festhalten wollen oder weil diese noch stark nationalstaatlich verfasst sind, wie das beispielsweise bei Verwertungsgesellschaften der Fall ist (vgl. „Cracks in the Content Coalition“). Auch die jüngst so kontrovers diskutierte Entscheidung von Twitter, hinkünftig länderspezifisch bestimmte Tweets zu zensieren (vgl. „Twitter erkennt globale Zwänge an“), fällt in die  Kategorie Comeback von Ländergrenzen im Netz.

In beiden Fällen gilt aber, dass Ökosysteme aus dem Internet einen Flickenteppich aus abgeschlossenen Bereichen – „walled gardens“ – machen können. Der Grund dafür ist einfach jener, dass die Plattformbetreiber dazu in der Lage sind.