Archive für den Monat: Februar, 2012

Ein Merkmal von Ökosystemisierung ist die bisweilen enge Verschränkung von Hardwareplattform und Anwendungs- bzw. Diensteebene. Bücher, die im iTunes-Store gekauft wurden, können nicht so ohne weiteres auf anderen Geräten gelesen werden. Das führt zu der grotesken Situation, das ein in Apples iTunes-Store gekauftes Buch nicht auf einem MacOS-Computer gelesen werden kann, sondern dafür ein iOS-Gerät – iPad, iPod oder iPhone – benötigt wird (vgl. Macworld).

Mit der Verbreitung von Internet-fähigen Fernsehgeräten hält Ökosystemisierung aber noch stärker Einzug ins Wohnzimmer. Denn nur weil ein Fernseher ans Internet angeschlossen ist, bedeutet das noch lange nicht, dass damit auch jede Online-Videothek angesteuert werden kann. Das Internet am Fernseher unterscheidet sich also vom Internet am PC – und zwar nicht nur in der Bedienung, wie Michael Schidlack vom Branchenverband Bitkom kürzlich gegenüber den Westfälischen Nachrichten erläutert hat:

‚Es handelt sich bei den meisten Herstellern daher nicht um freies Internet wie auf einem PC, bei dem sich beliebige Seiten aufrufen lassen‘, sagt Schidlack. Welche Onlinevideothek zur Verfügung steht, hänge von den Verträgen zwischen TV-Hersteller und Inhalteanbietern ab.

Bleibt die Frage, ob es überhaupt angebracht ist, angesichts solcher Knebelverträge von „Internet-fähigen“ Fernsehern zu sprechen. Denn mit dem klassischen Internet hat ein Gerät nicht mehr viel zu tun, das nur in bestimmten Ökosystemen surfen kann. AOL lässt grüßen.

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Open Government hat das Ziel, Politik und Verwaltung gegenüber Bürgern und Wirtschaft zu öffnen. Hierbei spielen drei wesentliche Aspekte eine Rolle: Es geht um Kollaboration, Transparenz und Partizipation. Die Öffnung erfolgt hier einseitig zum Bürger, häufig durch verbesserte Informations- und neuerdings auch Datenbereitstellung (Open Data). Die nächste Stufe ist eine beidseitige Öffnung, bei der es auch Rückkanäle von Bürgern in die Verwaltung gibt: Sie bildet die Grundlage von neuen Formen der Kollaboration und Partizipation zwischen Verwaltung und Bevölkerung. Die Forderungen nach offenem Regierungs- und Verwaltungshandeln, Öffnung von Datenbeständen und aktivem Bereitstellen von Regierungs- und Verwaltungsinformationen über Gesetzestexte und Verordnungen hinaus werden permanent lauter und sind längst keine Randerscheinung mehr.

Das folgende Video auf Vimeo von europeana erklärt „Open Data“

Berlin veröffentlichte jüngst seine Open Data-Strategie. Auf der Website von Offene Daten Berlin heisst es:

Mit dem ersten deutschen, dem Berliner Open Data Portal, erproben wir dies seit September 2011. Inzwischen stehen 58 Datensätze in 16 Kategorien für Recherchen und Apps-Entwicklungen bereit. Nutzen Sie Anwendungen, welche auf den Rohdaten basierend, anschauliche Applikationen bieten oder geben Sie direkt im Suchfeld einen Begriff ein. Unter Interaktion, freuen wir uns über Ihr Feedback oder Hinweise und Diskussionen rund um das Thema Open Data.

Im Auftrag der Senatsverwaltung für Wirtschaft, Technologie und Forschung und in Zusammenarbeit mit dem Fraunhofer FOKUS erschien jüngst die Open Data-Strategie von Berlin. Darin werden organisatorische, rechtliche und technische Aspekte offener Daten in Berlin konzeptionell vorgestellt.

Hier gehts zum pdf des Pilotprojekts

Wenn die Öffnung der Verwaltungsprozesse nicht nur unidirektional erfolgt, sondern echte Interaktion ermöglicht, dann sind grundsätzlich vergleichbare Potenziale möglich wie bei Open Innovation – Konzepten für Firmen: das Wertschöpfungsnetz kann intelligenter gestaltet werden, indem das quantitativ viel größere Know-how außerhalb der eigenen (Forschungs-)Wände eingebunden wird. Dadurch können Verwaltungsprozesse beschleunigt und verbilligt werden, was sich auch gesamtwirtschaftlich durch geringe Transaktionskosten bemerkbar machen würde, sobald Open Government in größerem Maßstab eingeführt wird. Berlin setzt hier ein erfreuliches Signal in die richtige Richtung.

Es bleibt zu hoffen, dass aus dieser Bewegung heraus (auch bundesweit) mehr Bottom-Up anstelle von Top-Down Politik entsteht.

Prof. Dirk Riehle ist nicht nur Deutschlands erster Professor für Open Source an der Universität Erlangen-Nürnberg und Mitglied im Beirat des Projekts ‚The Business Web‚, sondern bloggt auch regelmäßig unter dirkriehle.com. In seinem jüngsten Blogeintrag widmet er sich dort E-Books und damit einem Thema, das auch in diesem Forschungsprojekt eine große Rolle spielt.

Anlass für seinen Eintrag mit Titel ‚Publishers, E-Books, and DRM‚ war ein Brief (PDF) des Verlags Pearson, in dem dieser die Sicherheit des verwendeten Digital Rights Managements (DRM) anpreist:

Ein ebenso wichtiges Thema ist für uns – wie für Sie – die Sicherheit, dass unsere Inhalte nicht ungeschützt online verfügbar sind. Daher arbeiten wir mit Partnern zusammen, deren Plattformen etwa durch den Einsatz von DRM für diese Sicherheit bürgen.

Bei Riehle sorgte dieser Brief jedoch für weniger Begeisterung. Details finden sich im bereits erwähnten Blogeintrag, ein paar Highlights der Antwort seien aber hier kurz angeführt: Den Rest des Beitrags lesen »

Martin Weigert widmet sich auf netzwertig genau jener Frage, die uns auch im Rahmen unseres Forschungsprojektes umtreibt: Wie verändert sich das Web durch den Trend zum Aufstieg großer, plattformbasierter Ökosysteme. In seinem Beitrag ‚Geschlossene Ökosysteme: Abschied vom Netz wie wir es kennen?‚ warnt er:

Das Internet in seiner bisherigen Form wird nicht nur durch Regierungen und fortschrittsfeindliche Unternehmen bedroht. Die Demontage eines offenen Netzes findet auch von “innen” statt.

Denn die Nutzerinnen und Nutzer verbringen einen wachsenden Anteil ihrer Online-Zeit hinter den Zäunen, die von Plattformbetreibern rund um – aber auch innerhalb (vgl. ‚Das ist Ökosystemisierung #2: Killer Kindle‚) – ihre(r) Ökosysteme errichten. Besonders wirkmächtig sind solche ‚walled gardens‚ Weigert zu Folge, wenn sie Hard- und Software-Ebene miteinander verknüpfen. Den Hauptgrund dafür sieht Weigert in einem Gewinn an Bequemlichkeit, der damit für die Anwender verbunden ist:

Was Open-Source-Apologeten nicht wahrhaben wollen, bestätigt das Gros der Internetnutzer mit dem eigenen Verhalten: In entscheidenden Punkten erweisen sich geschlossene Software- und Ökosysteme gegenüber den offenen Alternativen als überlegen. Bisher zumindest.

Ob dieser Trend unumkehrbar ist und das Internet einfach den Weg aller neuen Medientechnologien hin zum Oligopol geht (vgl. Tim Wus ‚The Master Switch‚), da ist sich Weigert auch nicht sicher, er verweist aber auf einen Beitrag von US-Blogger Robert Scoble, der da behauptet, es sei bereits zu spät ‚to save the common web.

Bei Telepolis schildert Peter Köllner anschaulich und ausführlich seine Erlebnisse beim Versuch, seine Bibliothek gegen E-Books am Kindle zu tauschen („Adieu, Kindle“). Seine Probleme begannen, als er nicht nur im amerikanischen sondern auch im spanischen Amazon-Store einkaufen wollte. Im Unterschied zu herkömmlichen Büchern und Zeitschriften entpuppte sich dabei das Eigentum an ihren elektronischen Pendants als weit weniger dauerhaft:

Kurz darauf öffnete Amazon seinen Shop in Spanien, wo ich auch relativ schnell ein paar spanischsprachige Werke fand, die mich interessierten und die es bei Amazon.US nicht zu kaufen gab. Wenn man mit einem in den USA registrierten Kindle in einem der anderen nationalen Amazon-Läden etwas kaufen will, dann bekommt man als erstes eine Dialogbox serviert, die einen darüber aufklärt, dass man zum Kauf irgendwelcher eBooks dort seinen Kindle zu eben diesem Laden umregistrieren muss. Wenn man dem zustimmt, sieht man eine zweite Informationsbox, die einen darüber informiert, dass man damit sämtliche vorhandene Subskriptionen beendet – und zwar einschließlich des Rechts, auf zurückliegende Ausgaben zuzugreifen. Das fand ich einen geradezu haarsträubenden Eingriff in meine informationelle Freiheit – und das habe ich natürlich abgelehnt.

Ein Wechsel des Amazon Stores killt also die digitale Bibliothek. Nicht gerade rosige Aussichten. Interessant auch die Auszüge aus der Korrespondenz mit dem Amazon Kundendienst, die Köllner in seinem Artikel präsentiert:

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