In der Serie „Das ist Ökosystemisierung“ versuchen wir dem etwas sperrigen Begriff durch kurze, anschauliche Beispiele Leben einzuhauchen. Dahinter steckt die Überzeugung, dass der Trend zur Ökosystemisierung die Eigenschaft des Internet als Inkubator und Katalysator für Innovation grundlegend verändert.

Es ist nur eine kleine Randnotiz in der ersten Ausgabe der Zeitschrift c’t des Jahres 2012 mit der Überschrift „c’t auf dem iPhone“. Die c’t ist eine der größten und wahrscheinlich die seriöseste Computerzeitschrift Europas für den Massenmarkt und wird herausgegeben vom Heise-Verlag mit Sitz in Hannover.

In dieser Randnotiz über die kostenlose App „c’t Viewer“ heißt es dort wie folgt:

„Die App hätte eigentlich in der Miniaturansicht unter den Artikeln antippbare c’t-Links enthalten sollen, wurde jedoch von Apple deswegen abgelehnt. Apple verbietet in seinen Richtlinien Links auf ‚externe Mechanismen für Käufe oder Abonnements, die sich in der App verwenden lassen‘ und hat dem Verlag nahegelegt, doch Kauf- oder Abo-Funktionen einzubauen, sogenannte In App Purchases, an denen Apple mitverdient. Die Argumentation des Verlages, dass die verlinkten Seiten keine Kauffunktion haben und nicht einmal auf den Abo-Shop verweisen, konnte Apples Reviewer nicht umstimmen. So enthält die App bis auf Weiteres keine Links.“

Links sind, was das World Wide Web in seinem innersten Zusammenhängt. Sie verkörpern und kommunizieren die Aufmerksamkeitswährung des Webs. Suchmaschinen sortieren ihre Ergebnisse in erster Linie danach, welche Links auf eine Seite verweisen. Nicht nur Freiheit und Offenheit, auch Innovation und Wettbewerb basieren im Internet darauf, dass eine Alternative in der Regel nur einen Link entfernt ist.

In Internet-basierten Ökosystemen wie Apples iOS, aber auch Googles Android-Plattform, gibt es diese Freiheit zur Verlinkung nicht mehr. Zumindest wird sie vom Default zum Zugeständnis des Plattformbetreibers.

Das Fallbeispiel zeigt aber auch noch etwas anderes. In einem Ökosystem müssen Innovationen zum „Review“. Und dort wird aussortiert. Manchmal die ganze App, manchmal auch nur einzelne Funktionen. Der Nutzen von Usern und Anbietern ist dabei prinzipiell nachrangig gegenüber dem Nutzen des Plattformbetreibers.