Eine der zentralen Thesen, die in diesem Blog verhandelt werden (vgl. z.B. „Zurück in die Zukunft des Internets„), ist jene, dass sich das Internet mehr und mehr in ein Netzwerk zumindest teilweise geschlossener Ökosysteme verwandelt. Zu diesem Thema war deshalb vergangene Woche Nico Lumma zu Besuch bei unserer Forschungsgruppe in Berlin und hat kurz darauf einen Kommentar bei t3n zu diesem Thema veröffentlicht: „Die Rückkehr der Walled Gardens – das freie Web ist vorbei„.

Aber selbst wenn über diese These Einigkeit herrscht, ist damit noch wenig über die Folgen dieser Ökosystemisierung des Internets gesagt. Und zwar vor allem deshalb, weil diese neuen Ökosysteme ja nicht völlig geschlossen sind, wie es beispielsweise Compuserve oder AOL waren. Im Gegenteil, Facebook ist ja vor allem deshalb so interessant, weil ständig auf die weite und freie Welt außerhalb von Facebook verwiesen werden kann, über den Like-Button wird möglichst viel davon importiert. Und zumindest teilweise lassen sich diese Ökosysteme ja miteinander verknüpfen, über Feeds oder über Apps. Die Gegenüberstellung „offen“ vs. „geschlossen“ greift also zu kurz um die Folgen der Ökosystemisierung zu beurteilen (vgl. auch „Offenheit unbefangen und ganzheitlich betrachten„).

In einem Streitgespräch zwischen Jonathan Zittrain (Harvard-Rechtsprofessor) und Mark VandenBrink (CEO von Frog Design) stellt das WallStreetJournal allerdings genau das zur Diskussion: „Is It Better for Businesses to Adopt Open or Closed Platforms?“ Die Antworten der beiden Befragten fallen hierzu durchaus differenzierter aus. VandenBrink nennt beispielsweise die Gefahr der Fragmentierung von Schnittstellen als den zentralen Nachteil allzu offener Plattformen:

Success is all about adoption by developers, and anything that slows adoption impacts your platform. The problem with open systems is that they tend to fragment with respect to features and interfaces—without one central „guiding hand,“ the platform has less predictability for developers.

Zittrain hält dagegen, dass mangels Offenheit von Schnittstellen für Nutzer der Wechsel von einer Plattform zu einer anderen schwierig ist:

Open technologies can make it significantly easier, and cheaper, to drop one vendor or source of technology and move to another one. There’s less lock-in because that software might be supported by multiple companies—or by one’s own in-house developers.

VandenBrink entgegnet dem wiederum, dass Lock-in auf eine offene Plattform genauso möglich ist. Dem würde ich völlig zustimmen – der Unterschied ist aber, dass bei einer offenen Plattform kein Plattformbetreiber Profit aus diesem Lock-in schlagen kann.

Im Endeffekt zeigt aber auch das Gespräch zwischen Zittrain und VandenBrink, dass selbst die diskutierten Beispiele Apple und Android nicht völlig geschlossen bzw. offen sind und es außerdem darauf ankommt, wie die Akteure mit Offenheit und Geschlossenheit umgehen. Es wird also Zeit, dass die Debatte hier ein Stück weiterkommt: Es geht nicht um „offen“ versus „geschlossen“, sondern darum was wie offen oder geschlossen sein sollte bei einer Plattform.