Archive für den Monat: November, 2011

Auf netzwertig.com prognostiziert Martin Weigert einen „Neuen Brandherd der Urheberrechtsdebatte“ im Bereich von Onlinediensten wie Storify oder Pinterest. Deren zentrales Features besteht darin, dass Nutzer online verfügbare Inhalte aus verschiedenen Quellen neu zusammenstellen und das Ergebnis dieser Rekombination wiederum Dritten einfach zur Verfügung stellen können. Das ist aus urheberrechtlicher Sicht aber keineswegs unproblematisch. Weigert:

Sobald urheberrechtlich geschützte Inhalte beispielsweise über Storify vervielfältig, verbreitet und zugänglich gemacht werden, benötigt man dazu die Einwilligung des Autoren oder eine gesetzliche Erlaubnis. In der Praxis dürften sich die meisten Storify-Nutzer aber bisher über diesen Aspekt keine Gedanken machen, zumal Angebote zum Kuratieren von Online-Inhalten kaum funktionieren würden, wenn für jedes mit einem Klick integrierbare Contentelement die bei weitem nicht immer eindeutige Rechtslage geklärt werden muss

Für das Beispiel Pinterest beklagt Leander Wattig die damit ganz generell verbundene Unsicherheit: Den Rest des Beitrags lesen »

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Am 24. November 2011 lädt die Friedrich-Naumann-Stiftung ins base_camp zu Vorträgen und einem Panel zum Thema „Alles möglich, keine Grenzen? – Das Urheberrecht in der digitalen Welt„. Angesichts des Titels bin ich gespannt wie lange es bis zum obligatorischen „Das Internet darf kein rechtsfreier Raum sein!“ dauern wird. In der Vorankündigung wird das Thema jedenfalls wie folgt aufgesetzt:

Das Urheberrecht war vor Jahren ein Thema, für das sich lediglich einige Experten interessierten.
Zwischenzeitlich hat sich seine Bedeutung grundlegend geändert. Die Plagiatsaffären, die Festnahmen der Betreiber der Internetpräsenz http://www.kino.to oder unzählige Abmahnungen von Internetnutzern, Web- bzw. Shopbetreibern haben die gesellschaftliche Diskussion um das geistige Eigentum entfacht.

Die Analyse, dass das Urheberrecht heute für breitere Bevölkerungsteile bedeutsam ist, teile ich uneingeschränkt. Kürzlich habe ich beim netzpolitischen Abend der digitalen gesellschaft diesbezüglich ein Gedankenexperiment von Jamie Boyle (2008: 50) zitiert: Den Rest des Beitrags lesen »

Eine der zentralen Thesen, die in diesem Blog verhandelt werden (vgl. z.B. „Zurück in die Zukunft des Internets„), ist jene, dass sich das Internet mehr und mehr in ein Netzwerk zumindest teilweise geschlossener Ökosysteme verwandelt. Zu diesem Thema war deshalb vergangene Woche Nico Lumma zu Besuch bei unserer Forschungsgruppe in Berlin und hat kurz darauf einen Kommentar bei t3n zu diesem Thema veröffentlicht: „Die Rückkehr der Walled Gardens – das freie Web ist vorbei„.

Aber selbst wenn über diese These Einigkeit herrscht, ist damit noch wenig über die Folgen dieser Ökosystemisierung des Internets gesagt. Und zwar vor allem deshalb, weil diese neuen Ökosysteme ja nicht völlig geschlossen sind, wie es beispielsweise Compuserve oder AOL waren. Im Gegenteil, Facebook ist ja vor allem deshalb so interessant, weil ständig auf die weite und freie Welt außerhalb von Facebook verwiesen werden kann, über den Like-Button wird möglichst viel davon importiert. Und zumindest teilweise lassen sich diese Ökosysteme ja miteinander verknüpfen, über Feeds oder über Apps. Die Gegenüberstellung „offen“ vs. „geschlossen“ greift also zu kurz um die Folgen der Ökosystemisierung zu beurteilen (vgl. auch „Offenheit unbefangen und ganzheitlich betrachten„).

In einem Streitgespräch zwischen Jonathan Zittrain (Harvard-Rechtsprofessor) und Mark VandenBrink (CEO von Frog Design) stellt das WallStreetJournal allerdings genau das zur Diskussion: „Is It Better for Businesses to Adopt Open or Closed Platforms?“ Die Antworten der beiden Befragten fallen hierzu durchaus differenzierter aus. VandenBrink nennt beispielsweise die Gefahr der Fragmentierung von Schnittstellen als den zentralen Nachteil allzu offener Plattformen: Den Rest des Beitrags lesen »

In der Internetwelt entstehen immer wieder neue Themen und Begriffe. Einer der neueren ist „The Business Web“ – es zu systematisieren und urbar zumachen ist eines unserer Anliegen. Während mittlerweile jeder Nutzer ein Verständnis von Social Web und Mobile Internet hat, dürfte es für Business Web schon schwieriger sein.

Dennoch hat es das Thema in das Programm des diesjährigen IT-Gipfel geschafft. Der Gipfel findet am 06.12.2011 in München statt. Das Forum 1 steht unter dem Titel „Vom Social Web zum Business Web: Wie gelingt Deutschland der Sprung in die Web-Wirtschaft?“

Allein die Umsätze von Google und Amazon häufen sich auf zusammen 57 Mrd. EUR im Jahr 2010. Damit erwirtschaften zwei Konzerne knapp 50 Prozent dessen, was die Internetbranche in Deutschland gesamt auf die Beine stellt. Ohne Wertung sehen wir, dass der volkswirtschaftliche Nutzen der gesamten Internetwirtschaft enorm hoch ist. Gleichzeitig findet das Gros der Umsätze nicht in Europa und Deutschland statt. Bleibt also die Frage, ob es mit neuen Feldern auch neue Wertschöpfungsketten entstehen, die dann „hier“ verortet werden können, so dass der gesamtwirtschaftliche Vorteil noch weiter gesteigert werden kann.

Vor diesem Hintergrund sind die Leitfragen sehr interessant:

Leitfragen, denen im Micro-Talk von Bundesminister Dr. Rösler mit jungen IT-Unternehmern sowie in der Podiumsdiskussion nachgegangen werden soll sind:

  • Wie verändern sich Wertschöpfungsstrukturen durch das Web? Welche Auswirkungen hat die Digitalisierung der Wertschöpfungsketten auf die Industrie?
  • Nutzt die deutsche Wirtschaft diese Chancen? Wie ist Deutschland bei der Nutzung neuer webbasierter Anwendungen aufgestellt?
  • Welche Rolle spielen junge deutsche IKT-Unternehmen? Warum wachsen deutsche IKT-Unternehmen nicht schneller? Gibt es IKT-spezifische Wachstumshemmnisse? Wie können Politik und Wirtschaft dem (im IT-Gipfel) begegnen?
  • Nutzen deutsche Unternehmen bereits die gesamte Bandbreite neuer interner und externer Kommunikationsmöglichkeiten, wie das Social Web oder Apps?

Bleibt zu hoffen, dass auch die Antworten entsprechend aufschlussreich sein werden…

Eines der wichtigsten Schlagworte innerhalb der Fragestellung, wie wirtschaftliche Akteure durch ihre Unternehmensstrategien das Internet beeinflussen, ist zweifellos “Offenheit”. Dieses Stichwort aufgebracht, sind einfache Bewertungen oft schnell bei der Hand: offene Systeme sind gut, geschlossene Systeme sind schlecht. Das angeblich so geschlossene iUniversum katapultierte Apple gleichwohl binnen 10 Jahren zum wertvollsten Unternehmen der Welt. Der Erfolg scheint dem Unternehmen also Recht zu geben – und mit ihm der Erfolg komplementärer Angebote: der  Umsatz mit digitaler Musik steigt von Jahr zu Jahr und auch mit Drittprogrammen für diese Geräte lässt sich offenbar Wertschöpfung betreiben.

Startet ein System als offenes, stehen häufig intrinsische Motive im Vordergrund. Rückt jedoch irgendwann die eigene Gewinnmaximierung in den Fokus, muss sich jeder Wirtschaftsteilnehmer fragen, wie er sich ein Alleinstellungsmerkmal schafft. Ein häufig wesentlicher Faktor dafür ist Exklusivität und damit den Ausschluss von potenziellen Wettbewerbern im Kerngeschäft. Den Grad der dann noch an den Tag zu legenden Offenheit eines Geschäftsmodells festzusetzen, ist eine große Herausforderung, insbesondere wenn es sich wie in der Welt von Amazon, Apple und Google über verschiedene Stufen der Wertschöpfungskette erstreckt.

“For a start, the distinction between open and closed is fuzzy.”

So beginnt der Economist eine Analyse anlässlich der Einführung von Amazons Kindle Fire. Das ist eine vielleicht banal anmutende, aber wichtige Ausgangsfeststellung. So offen oder geschlossen wie manche Ökosysteme auf den ersten Blick erscheinen, sind sie nämlich zumeist gar nicht. Eine tiefer greifende Analyse geht Boston Consulting im Auftrag des amerikanischen Telekommunikationsunternehmens Liberty Global an. Einige der Ergebnisse sind ebenfalls überraschend naheliegend, können einer häufig verklärten und verallgemeinernden Diskussion um Offenheit und ihren Wert jedoch noch wertvolle Impulse vermitteln:

  • The notion that everything that is open brings benefits to consumers, markets and the economy at large, while closed has a negative effect does not hold.
  • Most systems that are viewed as open frequently have significant closed elements to them.
  • […] business models employ a mixture of more open and more closed elements, where the most important strategic assets are often the most closed ones.
  • Companies dynamically adjust the openness levels of their assets […]

Die Analysten von Boston Consulting richten sich mit ihren Ausführungen maßgeblich an politische Entscheidungsträger, denen sie empfehlen bei regulatorischen Entscheidungen einen ganzheitlichen Maßstab anzulegen und insbesondere verschiedene Stufen von Wertschöpfungsketten und deren jeweilige Notwendigkeiten zu betrachten. Jedoch dürften sich auch Unternehmen in dieser differenzierten Aufschlüsselung bestätigt sehen, wenn sie die Kronjuwelen, aus denen die eigene Marktstellung resultiert, möglichst geschlossen halten, sich aber an allen möglichen Stellen bewusst für komplementäre Wertschöpfung öffnen.

Google lädt am 24.11.2011 zum DatenDialog in die Berliner Kalkscheune ein. Für viele könnte die vermeintliche Wandlung vom Saulus zum Paulus auf größeres Interesse stoßen (zumindest in einer vagen externen Betrachtung). Auf jeden Fall ist die gebotene Bühne so attraktiv, dass man über bestehende unterschiedliche Sichtweisen kurz hinwegblickt. Alles in allem unstrittig ist die Bedeutung des Themas Datenschutz für alle Bereiche der digitalen Welt.

Chancen, Risiken und Lösungen rund um das Thema Daten und Privatsphäre im Internet sowie die jeweilige Verantwortung der einzelnen Akteure beschäftigt Nutzer und Netzwirtschaft, Politik und Datenschützer wie kaum ein anderes netzpolitisches Thema.

Hiermit laden wir Sie herzlich ein, an unserer eintägigen interaktiven Veranstaltung „DatenDialog“ teilzunehmen und zusammen mit hochrangigen Vertretern aus Wirtschaft, Politik, Regulierung und Zivilgesellschaft diese zentrale gesellschaftliche Frage vor allem praxisnah zu diskutieren.

Ein Blick auf die Agenda wirft allerdings am Ende die Frage auf, wie Datenschutz international harmonisiert werden kann. Letztlich können wir alles tun, Nutzer aufklären, Produkte einfacher erklären, Politikern das Internet erklären, aber wenn es nicht gelingt eine (möglichst) weltweite verbindliche Regelung für den Datenumgang zu treffen, wird es immer wieder Insellösungen geben, hinter die sich entweder Anbieter oder auch Nutzer zurückziehen können.

Aber vielleicht gibt der Workshop 3 unter dem Titel „Ansätze zu einer modernen Datenschutzregulierung – Neue Regeln für eine neue Datenwelt?“ passende Antworten.

(Thomas Schauf)

In seinem Buch „The Future of the Internet and How to Stop it“ führt Harvard-Jurist Jonathan Zittrain das Innovationspotential des Internets auf dessen Generativität („generativity“) zurück (siehe auch „Zurück in die Zukunft des Internets?„). Sowohl PC als auch Netzwerk sind demnach Universalwerkzeuge, die nicht von vornherein für einen bestimmten Zweck optimiert sind. Zittrain zu Folge gibt es zwei zentrale, innovationsfördernde Aspekte dieser Generativität – Offenheit für unerwarteten Wandel und die Möglichkeit Beiträge breiter und diverser Öffentlichkeiten zu integrieren:

Generativity’s benefits can be grouped more formally as at least two distinct goods, one deriving from unanticipated change, and the other from inclusion of large and varied audiences. (S. 80)

Schattenseite dieser Offenheit für Innovation durch Dritte sind aber unvermeidliche Sicherheitsrisiken, die einen ständigen Wettlauf zwischen Entwicklern von Schadsoftware und Systementwicklern bedingen. Zittrain nennt diesen Umstand das Dilemma der Generativität (S. 61). Mehr Innovationmöglichkeiten generativer Systeme bedeuten also auch größere Unsicherheiten.

Nicht alle Plattformhersteller sind aber gewillt, dauerhaft dieses Spannungsverhältnis auszuhalten und setzen stattdessen auf einen Rückbau an Generativität, indem sie die Möglichkeit der Erweiterung und Umnutzung von Plattformtechnologien durch Dritte einschränken. Einen großen Schritt in diese Richtung verkündete heute Apple. In Zukunft wird sie alle Anbieter von Software, die über den Hauseigenen AppStore vertrieben wird, in ‚Sandkästen‘ einsperren, die nur noch eingeschränkten Zugriff auf Systemprozesse und -ressourcen erlauben; und zwar nicht nur am iPhone – dort ist das schon länger üblich – sondern auch auf Macintosh Computern.  Den Rest des Beitrags lesen »