Oliver Leistert und Theo Röhle haben jüngst das Buch Generation Facebook – Über das Leben im Social Net herausgegeben. Mehrere Essays analysieren Facebook auf Herz und Nieren. Das Buch liefert m. E. eine kritische Auseinandersetzung mit Themen wie wirtschaftliche Partikularinteressen, politisches Potential, automatisierte Analyse-Tools, Privacy, Branding, Medienkompetenz, etc. So schreibt beispielsweise einer der Autoren (Mark Andrejevic) folgendes:

Wenn es den Anschein hat, dass Facebook Elemente der traditionellen Gemeinschaft wiederbelebt und verbessert, indem es Menschen ermöglicht, Netzwerke aus Klatsch, Gesprächen und Interaktionen zu erhalten und zu erweitern, dann geschieht dies unter Bedingungen, die von Marketing und Kommerz diktiert werden. Und diese Bedingungen stehen im offenen Widerspruch zum bürgerlichen Recht auf Privacy.“

Facebook wird bald eine Milliarde Nutzer zählen, d.h. dann werden sich ca. 1/7 der Weltbevölkerung auf den (geschlossenen) Facebook-Kanälen tummeln. Es bleibt abzuwarten, ob die Nutzer die wirtschaftlichen Interessen des Gründers früher oder später hinterfragen oder ob sie weiterhin freiwillig persönliche Daten, Informationen und Bilder/Videos von sich preisgeben werden. Diese Daten, Informationen und Bilder/Videos sind für viele Unternehmen viel Geld wert.

Facebook geniesst einen starken Lock-In-Effekt und wird wohl noch längere Zeit von den economies of scale profitieren. Die Herausforderung, eine kritische Masse zum Wechseln zu bewegen, wird für alternative Social Media Plattformen wie beispielsweise Diaspora ziemlich gross sein.

Aber, so Leistert und Röhle

„[.] könnte sich am Ende doch noch herausstellen, dass Facebook nicht das Ende der Internetgeschichte war, sondern nur eine (wenn auch vielbefahrene) Sackgasse.

(thomas dapp)