Expertenlunch zum Thema “Netzneutralität und Innovation im Internet” am 23.03.2012
Was das Internet so attraktiv macht, ist die große Vielfalt an Internet-basierten Anwendungen. Ein wachsender Anteil dieser Anwendungsvielfalt baut jedoch auf einigen, wenigen Plattformen großer Intermediäre wie Apple, Google oder Facebook auf, die dafür Zugangsregeln festlegen. Parallel zu dieser Entwicklung auf der Anwendungsebene, wird auf technologischer Ebene Netzneutralität im Gegensatz zu der Einführung von Qualitätsklassen diskutiert. Sollen Plattformbetreiber die Möglichkeit haben, eine bevorzugte Behandlung ihres Internet-Traffics zu erwerben? Im Kern geht es dabei also um die Frage nach der Grenze eines angemessenen Traffic-Managements. Und davon abgeleitet: Fördert die Einführung derartiger Qualitätsklassen für Datentraffic im Netz Innovation oder wirken diese eher als Innovationsbremse?
Diese Fragen stehen im Fokus des BERLIN CIRCLE Expertenlunchs zum Thema “Monokultur oder Artenvielfalt?” mit leckerer Pizza und drei hochkarätigen Diskussionspartnern:
- Dirk Heitepriem, Research in Motion, Manager Governement Relations
- Constanze Kurz, Chaos Computer Club und sachverständiges Mitglied der Enquete Kommission Internet und digitale Gesellschaft
- Mark Konarski, BITKOM, AK Telekommunikationspolitik
Anmeldung ist via E-Mail erforderlich.
Im Rahmen der SNV-Veranstaltung wurde die Wechselwirkung zwischen der Innovationsfähigkeit von internetbasierten Ökosystemen und der Netzarchitektur – hier insbesondere Aspekten der Netzneutralität – diskutiert. Wie zu erwarten war, war die zur Verfügung stehende Zeit für die Breite des Themas fast zu kurz: Die Bandbreite der (teils kontrovers diskutierten) Aspekte auf der Ebene der Netze, der Inhalte und Dienste dürfte auch abendfüllende Formate mühelos sprengen.
Deutlich wurde über Einzelauffassungen hinweg, daß es “den einen” Königsweg zur Netzneutralität nicht gebt – wie auch der Terminus selber eher eine Zielbeschreibung als eine Finalität in sich darstellt. Während nach übereinstimmender Meinung die Achillesferse beim Ausbau der Netze liegt (nach wie vor; vgl. daz auch die Arbeiten des 7. Nationalen IT-Gipfels), bestehen unterschiedliche Auffassungen darüber, wann tatsächlich – quantitativ dokumentierbare – Engpässe in den Netzen bestehen. Insofern muß sich “Netzneutralität” heute eher an den nachstehenden drei Kriterien messen lassen:
- Offenheit des Netzes
- Wahlmöglichkeiten des Verbrauchers (was wiederum Transparenz über den Umfang und die Nutzbarkeit der angebotenen Dienste voraussetzt) sowie
- Diskriminierungsfreiheit zu netzbasierten Diensten.
Derzeit scheint keine Notwendigkeit für regulative Eingriffe zu bestehen. Für die Netzbetreiber und Kunden müsse es auch künftig darum gehen, so die Diskussion, je nach Anwendungskontext (bspw. privater Endnutzer, bei dem Best-Effort in der Mehrzahl der Fälle ausreichend ist, versus kommerzielle Nutzer, bei denen Fragen nach Jitter, Latenzzeiten et al. stärker im Vordergrund stehen) differenzierte Angebote bereitzustellen.
Die Attraktivität des Netzes steht und fällt mit dessen Fähigkeit, neue Ideen zu absorbieren und in nachhaltige Geschäftsmodelle zu transformieren. Insofern scheinen die Gegensätze zwischen Netzinfrastrukturbetreibern, privaten und gewerblichen Nutzern sowie Regulierungsbehörden durchaus in Teilen konstruiert – allen Beteiligten nutzt ein offenes, “freies” Netz, das sich im Rahmen der marktwirtschaftlichen Rahmenordnung fortentwickelt.
… und noch ein Nachklapp in Form des Links zum Zwischenbericht der Enquête:
http://www.google.de/url?sa=t&rct=j&q=17%2F8536&source=web&cd=1&ved=0CEMQFjAA&url=http%3A%2F%2Fdip21.bundestag.de%2Fdip21%2Fbtd%2F17%2F085%2F1708536.pdf&ei=sPluT437JcbYtAbzkKCVAg&usg=AFQjCNHO6RS302imZ4rIgtlVeFZo57E6mQ